Auf lange Tour mit dem Smart ED – Teil 2

Die sommerlichen Temperaturen luden dazu ein, das Experiment zu wagen und den Elektro-Smart für die Fahrt nach München herzunehmen. Stuttgart – München mit dem Verbrenner kann schließlich jeder!

Und das wäre auch nicht ansatzweise berichtenswert gewesen. Also ging es um kurz nach acht Uhr morgens los von Sindelfingen über die A8 nach München. Was im vornherein klar war: Für die komplette Strecke (etwa 240 km) würde ein Ladestopp nicht ausreichen. Also nutzte ich den Elektroauto Routenplaner von GoingElectric, um vorab geeignete Ladepunkte entlang der Autobahn ausfindig zu machen.

Die gute Nachricht: Ladesäulen gibt es eigentlich genug. Die Schlechte: Gerade in Richtung West nach Ost sind diese in für den smart ungünstigen Abständen verteilt. Da der smart auf der Autobahn um die 100 km schafft und man dann doch besser einen gewissen Puffer von vielleicht 10 km für unvorhersehbare Geschehnisse einplant, mussten auf der Hinfahrt sogar drei Ladestopps eingeplant werden. Aber der Reihe nach:

Erster Ladestopp: Strom zapfen für den Albaufstieg

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Zeit für einen Frühstücks-Snack: Laden am Triple-Charger am Rasthof Gruibingen

Den ersten Stopp legten wir am Rasthof Gruibingen ein. Hier steht ein Innogy-Triple-Charger der sogar noch kostenlos ist. An diesem konnte sich der smart die für den Albaufstieg benötigte Energie abzapfen. Wenn es kurz vor Ulm eine passende Ladesäule geben würde, hätte es auch bis dahin gereicht. Aber da das aktuell nun mal nicht der Fall ist, braucht man eben diesen ersten, frühen Stopp, um den nächsten Ladepunkt zu erreichen. In der halbstündigen Ladeweile genossen wir jedenfalls die frühe Sommersonne und beantworteten die Fragen der interessierten Rasthofgäste, zum Beispiel „Wie langen laden Sie da jetzt?“ oder „Was kostet das denn?“. Gefreut hat mich die Antwort eines Herren im besten Alter: „Sie können später sagen, Sie waren von Anfang an dabei!“

Zweiter Ladestopp: Fachsimpeln am Storchen-Ladepark

Als nächstes fuhren wir den Euro Rastpark Jettingen-Scheppach an. Hier steht neben den prominent sichtbaren Tesla Superchargern eine einzelne AC-Ladesäule der Lechwerke mit zwei Ladepunkten. Ein paar Meter weiter gibt es auch noch zwei DC-Ladesäulen mit zusätzlichem AC-Anschluss, aber da diese von Allego betrieben werden, sind sie etwas teurer. Mit New Motion hätte ich hier wenigstens 5,75 Euro pro Ladevorgang berappen müssen. Da es sich um DC-Ladesäulen handelt, gibt es hier auch keine Abrechnung nach Kilowattstunde, sondern nur Pauschalpreise.

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Klappern gehört zum Handwerk: Am Euro Rastpark Jettingen-Scheppach haben sich einige Störche angesiedelt.

Da aber die Lechwerke-AC-Ladesäule auch Teil des Innogy-Verbundes ist, hätte ich hier im Kilowattstundentarif laden können. Hätte? Ja, denn ein nebenan ladender Tesla-Fahrer lud mich auf seine Ladeflatrate ein, die er bei den Lechwerken abgeschlossen hatte. Dafür noch einmal vielen Dank :-).

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Beware of the stork! Vor den Hinterlassenschaften der Vögel sollte man sich und sein Auto schützen.

Wenn ein paar Elektromobilisten dann schon mal zusammen stehen, kommt man natürlich auch ins Gespräch und vergisst dabei schnell die Zeit. Der Ladevorgang war so auch ziemlich kurzweilig und wir schafften es nicht mal mehr, einen Kaffee zu holen. Das musste also bis zum nächsten Ladestopp warten.

Dritter Ladestopp: Endlich mal Zeit für einen Kaffee

Auch dieser war wieder an einer Stelle, an der der Akku des smart eigentlich noch nicht leer war. Wer sich allerdings die Ladesäulenverteilung zwischen Augsburg und München anschaut, wird feststellen, dass es hier über eine Strecke von fast 50 Kilometern keinen einzigen Ladepunkt an der Autobahn oder in deren Nähe gibt. Daher fuhren wir den McDonald’s in Friedberg bei Augsburg an, um ein letztes Mal vor München aufzuladen und gemütlich den ausstehenden Kaffee zu trinken. Wer nicht zur Burgerbraterei möchte kann sich übrigens auch beim kostenlosen Triple-Charger der Lechwerke auf dem Supermarktparkplatz gegenüber Strom ziehen.

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Endlich mal Zeit für Kaffee, Kakao und Kuchen…

Das letzte Stück konnten wir danach ganz entspannt bis in die Innenstadt von München fahren. Auf städtischem Pflaster fühlt sich der smart dann auch wieder deutlich wohler, und so parkten wir fast direkt an der Altstadt beim BMW Autohaus Lenbachplatz, wo es eine perfekt gelegene, kostenlose Lademöglichkeit gibt. Eine Porsche Panamera 4 E-Hybrid war gerade mit dem Laden fertig und so konnte sich der smart an die 20kW-Ladesäule anschließen.

Nach nicht ganz fünf Stunden und 236 Kilometern waren wir also in der Münchner Innenstadt angekommen. Nun standen die Probefahrten mit der Elektro-Schwalbe von emmy sharing und dem Brennstoffzellen-Hyundai von BeeZero auf dem Plan (dazu später mehr).

Die Rückfahrt

Die Rückfahrt traten wir dann am Nachmittag gegen 17:15 an. Dieses Mal lagen die avisierten Ladepunkte reichweitentechnisch besser an der A8. Hier fuhren wir zunächst die Autobahnraststätte Augsburg Ost an. An der Raststätte gibt es wieder einmal einen Triple-Charger, der als Innogy-Kunde 6,95 Euro pauschal pro Ladevorgang kostet (Session Fee). Für Fahrer eines Nissan Leafs ist das natürlich recht günstig, da dann die Kilowattstunde bei einem Schnellladevorgang effektiv knapp 20 Cent kostet. Beim smart mit seiner kleinen Batterie, lag der Preis eher zwischen 35 und 40 Cent je Kilowattstunde. Das ist noch akzeptabel und kann man unter „Autobahnzuschlag“ verbuchen.

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Den Triple-Charger in Augsburg Ost konnten wir nur per eCharge-App aktivieren.

Die Ladeweile vertrieben wir uns mit dem Abendbrot im Raststättenrestaurant und mit Geocaching. Die Dreiviertelstunde war so auch recht kurzweilig und es konnte weiter auf die nächste Etappe gehen.

Letzter Ladestopp: Geocachen beim Ladevorgang

Das nächste Ziel war die Autobahnraststätte Aichen Nord, die immerhin fast 90 Kilometer entfernt ist. Die Raststätte liegt zusätzlich knapp 200 Höhenmeter über der Augsburger, weshalb diese Distanz schon eine kleine Herausforderung war. Letztlich kamen wir aber mit etwas unter 10% Batterieladestand (SOC = State of Charge) an dem Innogy-Triple-Charger an. Dies sollte dann auch der letzte Ladestopp bei der Tour werden.

Auch hier vertrieben wir uns die Zeit mit Geocaching. Für Insider: Hier gibt es einen ganz netten Multi, bei dem man nebenher auch noch etwas über die hiesige Landschaft lernt. Zugegeben, die Warterei wurde langsam genug, da es an den Rasthöfen sonst auch einfach nichts zu tun gibt. Praktisch wäre es, wenn man während des Ladens Reifendruck prüfen, Wischwasser nachfüllen oder andere kleinere Wartungsarbeiten am Auto durchführen könnte. Nur mal so als Idee…

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Trotz langer Wartezeiten noch gute Stimmung. Ein paar Sekunden nachdem das Foto aufgenommen wurde, machte es dann auch schon „Klack“ und der Ladevorgang war beendet.

Das letzte Stück bis nach Sindelfingen war dann überhaupt kein Problem mehr. Schließlich lag nun auch der Albabstieg vor uns. Hier geht es fast 400 Höhenmeter nach unten und der smart konnte die ganze kinetische Energie bei der Bergabfahrt in seine Batterie rekuperieren, ohne auch nur einmal das Bremspedal benutzen zu müssen. Damit ging die Reichweite so weit nach oben, dass man dem smart auch mal eine Vollgasfahrt für das letzte Stück auf der A8 gönnen konnte. Vollgas heißt natürlich maximal 125 km/h – danach wird ja abgeregelt. Letztendlich benötigten wir für die Rückfahrt nur etwas über vier Stunden – waren also eine Dreiviertelstunde schneller als bei der Hinfahrt. Den besser gelegenen Ladesäulen sei Dank.

Fazit: Lange Strecken mit dem Elektroauto? Einfach mal machen!

Eine längere Fahrt mit dem Elektroauto ist eigentlich auch heute schon kein Problem mehr – sogar, wenn man keinen Tesla fährt. Der smart ed gehört dabei sicherlich zu den ungeeigneteren Elektrofahrzeugen. Ein neuer Nissan Leaf, ein e-Golf oder ein Hyundai Ioniq hätten die Strecke mit maximal einer kurzen Kaffee-Pause geschafft. In meinen Augen sind sie damit absolut alltagstauglich.

Positiv: Alle eingeplanten Ladestopps verliefen problemlos, die Ladesäulen waren immer funktionsfähig und teils kostenlos. Zum Starten brauchte ich in zwei Fällen die eCharge-App von Innogy. Auch ohne Vertrag mit Innogy hätte man hier durch das Innogy-eRoaming (bei etwas höheren Kosten) laden können. Mehr als ein Ladekabel und ein Smartphone braucht man eigentlich nicht.

Aber: Ganz ohne Planung geht es eben doch nicht. Und wer sich nicht ein wenig mit den Ladetarifen auseinander setzt, zahlt unter Umständen zu viel. Auch die Beschilderung an der Autobahn und den Rasthöfen ist noch stark ausbaufähig.

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Sieht man inzwischen häufiger: Triple-Charger von Innogy. Zur Freischaltung empfehle ich die eCharge-App.

Was mich selbst positiv überraschte, war, wie angenehm ich die ruhige und zurückhaltende Fahrt mit den Zwischenstopps insgesamt empfand. So entspannt bin ich wahrscheinlich noch nie nach München und zurück an einem Tag gefahren. Auf der anderen Seite war das super Wetter eine wichtige Komponente für diese Fahrt. Bei spätherbstlichem, nasskalten Bedingungen möchte man nicht mehr Zeit als nötig an den Rasthöfen verbringen. Hier besteht auch noch viel Potential, den Aufenthalt am Rasthof angenehmer zu gestalten: besseres Essen, fairere Preise und vielleicht ein chillige Lese-Ecke mit kostenlosem WLAN wären mal ein Anfang.

Übrigens gibt es auch Leute, die wirklich lange Strecken mit ihren Elektrosmarts fahren:  The ElectricDrivers sind derzeit unterwegs mit zwei E-Smarts von Hambach bis ans Nordkapp und zurück.

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Insgesamt 05:50 Fahrzeit und 473 km fuhr der smart an diesem Tag bei einem Durchschnittsverbrauch von 16,7 kWh/100km.

Hier noch ein paar Zusatzinfos zu dieser Tour für Zahlenfreunde:

  • Benötigte Apps: eCharge von Innogy
  • Benötigte Ladekarten: keine
  • Benötigte Ladeausrüstung: Mode-3-Ladekabel
  • Ladekosten: 2x 6,95 Euro Session Fee von Innogy = 13,90 Euro
  • Ladestopps: 6 (3x auf der Hinfahrt, 1x in München, 2x auf der Rückfahrt)
  • Gesamtdauer Hinfahrt: 04:50 Stunden, davon 02:55 Stunden Fahrzeit
  • Gesamtdauer Rückfahrt: 04:05 Stunden, davon 02:40 Stunden Fahrzeit
  • Gesamtstrecke: 473 km
  • Durchschnittsverbrauch: 16,7 kWh/100 km (entspricht ungefähr 1,7 l/100 km Dieseläquivalent)
  • Temperatur: um die 25°C

Weiterführende Links:

Ein Kommentar zu „Auf lange Tour mit dem Smart ED – Teil 2

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  1. Seit Januar haben wir nun einen e-Golf.
    So rund um unsere heimische Garage mit Lademöglichkeit ein sehr brauchbares Auto.
    Das einzige Auto unserer Familie.
    Und damit sind wir beim großen Problem:
    Das Fazit von Marcus Zacher: „Lange Strecken mit dem Elektroauto? Einfach mal machen!“ passt für uns überhaupt nicht.
    Wir haben vor dem Kauf ein Jahr lang ein Fahrtenbuch geführt und wussten:
    Das einzige Problem werden unsere Fahrten zu meinen Eltern sein.
    Da muss man aufladen, wenn man am selben Tag hin und zurück möchte.

    Die Hinfahrt war toll. Am Samerberg war eine noch kostenlose Tank und Rast Ladesäule.
    Hat für uns bedeutet: anstecken – aufladen – fertig. 40 kW – Superklasse.
    Wir waren vollends begeistert und voller Zuversicht.

    Aber auf der Rückfahrt kam die große Ernüchterung.
    Ladesäule am Irschenberg (innogy):
    Ich wusste ja schon, dass bei den innogy-Säulen nur die App von innogy funktioniert.
    Deshalb war die schon auf meinem Handy.
    Leider war die Anleitung nicht zu gebrauchen.
    Die hat nämlich – ohne Angabe wie die aussieht – verlangt, die Ladepunkt-Nummer einzugeben.
    Das Gerät ist aber übersät mit Nummern.
    Nun gut. Die Telefonnummer an der Ladesäule gewählt und siehe da:
    Das Erste was mir der Service-Mitarbeiter sagt, ist das Format der Ladepunkt-Nummern.
    Wenn das Format vorher schon in dem Eingabefeld drin gewesen wäre, hätte ich die auch gefunden.
    Also neuer Versuch:
    Ich gebe also die Daten nochmal ein. Die Säule sagt, ich soll anstecken. Ist aber schon angesteckt.
    Mist. Ich entriegle am Auto und ziehe ab – die App meldet: Dieser Ladevorgang hat 3,70 Euro gekostet.
    Dann habe ich nochmals angerufen.
    Jetzt bietet mir der Herr von innogy an, mir die Bedienungsanleitung zuzuschicken.
    Nein, danke sage ich und er fragt, warum nicht.
    Ich sage: „weil ich jetzt Strom brauche“.
    Dann sagt er zu meiner Freude, dass er aus Kulanz die Buchung streicht und wie lange ich denn laden möchte.
    Ich sage ihm, das 15 Minuten reichen.
    Dann schaltet er mir ohne weitere Eingabe auf der App die Säule frei.
    Da war ich schon wieder versöhnt mit der etwas verbraucherunfreundlichen Nutzerführung.
    15 Minuten später schaltet die Säule ab.
    Da bemerke ich, dass die Säule nur mit etwa 10kW geladen hat.
    Zum Glück habe ich es noch zum IKEA geschafft, bevor die geschlossen haben.
    Seither sehe ich innogy-Säulen als nicht-existent an.

    Leider gibt es keine Konkurrenz zwischen Ladesäulenanbietern.
    Die sind überall wo sie sind Monopolisten. Und verhalten sich auch so.

    Ich habe einfach mal eine lange Strecke mit dem Elektroauto gemacht.
    Und selbstverständlich war die Aufladung auf der Kreditkartenabrechnung.

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