Great Electrip: 1.000 km im Elektro-Smart nach Dänemark – Teil 3

Elektroautos sind nur was für die Kurzstrecke? Mitnichten! Beim Great Electrip von New Motion durfte der kleine Elektro-Smart zeigen, dass man es auch mit 100 km Reichweite vom Rande des Schwarzwalds bis an die dänische Küste schaffen kann. Teil 3 des Roadtrip-Tagebuchs.

Abfahrt in Hamburg

Nachdem der erste Tag doch arg lang war und wir ziemlich früh bei nasskaltem Wetter in Sindelfingen gestartet waren, ließen wir uns in Hamburg mehr Zeit mit der Abfahrt, schließlich war der längste Teil der Strecke schon geschafft. Bei Sonnenschein starteten wir nach einem gemütlichen Frühstück in Richtung Dänemark.

Für die 220 Kilometer hatten wir zwei Stopps eingeplant: einmal in Rendsburg und einmal kurz hinter der dänischen Grenze in Pattburg.

In Rendsburg gibt es unweit der A7 einge großzügige Tankstelle mit angeschlossenem Triple-Charger. Da der smart von dem Tag davor mit dem immer wiederkehrenden Nieselregen nicht mehr so schön gelb strahlte, bekam er dort erst einmal eine Autowäsche. Das sollte sich jedoch als Fehler erweisen, da inzwischen der Typ-2-Anschluss des Triple-Chargers von einer Renault Zoe okkupiert wurde. Nun war die Frage, ob man wartet, bis die Zoe fertig ist oder zum nächsten Ladepunkt in der Innenstadt fährt. Da wir bis hierhin nicht wirklich sparsam unterwegs gewesen waren, hatte der smart nur noch wenige Rest-Kilometer Reichweite. Trotzdem entschieden wir uns für den Umweg in die Innenstadt. Nun wurde es ziemlich eng mit der Reichweite, da sich die Strecke länger zog, als erwartet. Zum ersten Mal schaltete ich wirklich jeden Verbraucher aus, der nicht zum Fahren benötigt wurde.

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Kostenlos, aber zickig. So lässt sich diese Ladesäule in Rendsburg beschreiben.

Trotzdem schafften wir es bis zur kostenlosen Ladesäule am Kreishaus in Rendsburg. Die Batterie bekam den benötigten Saft und wir erkundeten die Umgebung per GPS und auf der Suche nach Geocaches.

Nachdem wir ausreichend Strom nachgeladen hatten, sollte es natürlich weiter Richtung Dänemark gehen. Dummerweise wollte die Ladesäule partout nicht das Ladekabel freigeben. Selbst mehrmaliges rütteln und entsperren half nichts. #wtf

So etwas hatte ich bisher noch nicht erlebt. Natürlich war unter den Telefonnummern, die auf der Säule klebten an einem Montagmittag auch niemand zu erreichen bzw. waren die Telefonanschlüsse gar nicht mehr existent. Wie auch immer, nach fünf Minuten ließ sich die Ladesäule dann doch dazu überreden, das Kabel aus nicht nachvollziehbaren Gründen wieder freizugeben. So konnte es endlich weitergehen.

Unterm Strich hat sich der Umweg durch die Innenstadt zeitlich nicht gelohnt. Lieber ein paar Minuten warten, bis die Ladesäule wieder frei ist oder einfach fragen, ab wann man denn sein Fahrzeug anstecken kann. Nächstes Mal…

Der smart überquert die dänische Grenze

Weiter ging es Richtung dänischer Grenze, die wir am Nachmittag überquerten. Da in Dänemark die Ladesäulendichte noch etwas bescheiden ist (und erst recht die Anzahl der Ladesäulen, die mit NewMotion kompatibel sind), mussten wir den nächsten Stopp in einem Industriegebiet in Pattburg einlegen.

Danach ging es auf der Landstraße weiter bis nach Skærbæk Kommune, einem Ort, der kurz vor der Insel Rømø liegt. Auf den topfebenen und geschwindigkeitslimitierten Landstraßen erreicht man mit dem smart traumhafte Verbräuche und die prognostizierte Reichweite klettert in ungeahnte Höhen. Hier erscheint der Prospekt-Wert von 145 km tatsächlich realistisch.

Vor Ort angekommen buchten wir uns für ein paar Tage eine Hütte in einem Ferienpark und erkundeten die Möglichkeiten zum Laden. Feste Ladeplätze gab es natürlich nicht, aber eine Steckdose findet sich normalerweise überall.

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Erster Ladevorgang in Dänemark. Da die Clever-Ladesäulen mit NewMotion freigeschaltet werden können, sollten uns diese noch häufiger den benötigten Strom liefern.

An der Rezeption erhielten wir leihweise ein „Elektroautoladekabel“, was eigentlich nichts anderes als ein Adapterkabel von dänischer Steckdose (Stecker-Typ E, identisch mit Frankreich und teilkompatibel mit Schuko) auf CEE16 blau („Campingstecker“) und mit einem Erdungskontakt versehen war. An den Campingstecker stöpselte ich meinen NRGkick an, den ich für diesen Zweck eingepackt hatte.

Nach Prüfung der Sicherung limitierte ich den Ladestrom auf 8 Ampere. Das reichte nur kurz, denn als der der Herd und der Wasserkocher eingeschaltet wurden, flog die Sicherung doch. Also verlagerte ich den Ladevorgang auf den Zeitraum nach dem Kochen. Bis zum nächsten Tag blieb ja mehr als genug Zeit.

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An der Ferienwohnung laden und am nächsten Morgen mit vollem Akku starten: eine feine Sache!

Am Ziel des Great Electrips!

Am nächsten Morgen sollte es endlich soweit sein: Der smart sollte endlich über den Lakolk-Autostrand auf der Insel Rømø rollen. Dazu fährt man einfach über den Damm auf die Insel, immer auf topfebenen Straßen geradeaus. Es folgt eine unspektakuläre Zufahrt zum Strand und schon ist man da! Keine Schranke, keine Einfahrtsbeschränkung – nichts.Wir konnten einfach auf den Strand fahren und hatten es geschafft! Wir hatten unser Ziel erreicht!

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Ziel erreicht: Der smart ed auf dem Lakolk-Autostrand auf der Insel Rømø.

Vor Ort nutzten wir die Gelegenheit, dem smart etwas Auslauf zu gönnen. Moritz gab mir den wertvollen Tipp, wie das ESP des smarts deaktiviert werden kann, woraufhin wir mit dem smartie sehr viel Spaß auf dem Strand hatten. Es fährt sich wie auf einer Schneedecke, nur ohne der darunterliegenden Asphalt-Schicht. Dem Hinterradantrieb sei Dank, wird das Driften so zum Kinderspiel.

Wie das aussieht, seht ihr hier (wer keinen Metal mag – Musik lieber leiser drehen 😉 ):

Mit dem E-Auto durch Dänemark

An diesem und den nächsten Tagen erkundeten wir mit dem smart nicht nur die Insel, Rømø, sondern fuhren auch weiter in den Norden bis zu den Bunkern bei Søndervig – dem nördlichsten Punkt, den der smart wahrscheinlich in seinem Autoleben bisher erreicht hat.

Mit dem E-Auto durch Dänemark zu fahren, macht wirklich viel Spaß. Die Straßen sind perfekt für das lautlose Dahingleiten gemacht. Es gibt kaum Steigungen und die Höchstgeschwindigkeiten sind ebenfalls verbrauchsoptimal. Es gibt keine Staus und insgesamt ist der Verkehr in Dänemark deutlich entspannter.

Insofern ist es verwunderlich, wie wenig Elektroautos man auf den Straßen sieht. Dänemark könnte diese zum Großteil mit heimischen Windkraftanlagen betreiben. Das sich der Elektroautoanteil in den nächsten Jahren noch deutlich erhöhen wird, dafür wird nicht nur der geplante Verbrennerausstieg 2030 sorgen.

Auf dem Rückweg

Aber zurück zum Electrip: Nach ein paar Tagen machten wir uns auf den Rückweg, den wir ohne zusätzliche Vorbereitung angingen. Nach dem Frühstück fuhren wir schnurstracks Richtung Süden, über Itzehoe nach Hamburg und dann wieder auf die A7 Richtung Stuttgart. Der Plan war: So weit fahren wie möglich, dann irgendwo übernachten und die restliche Strecke am nächsten Tag. So besuchten wir wieder die ein oder andere bereits bekannte Ladesäule und buchten uns erst bei Kassel ein günstiges Ibis-Motel. Am nächsten Morgen ging es mit einem Frühstück und Ladestopp am Lohfeldener Rüssel weiter.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Bei der Rücktour fuhren wir die A7 nicht bis Würzburg weiter, sondern bogen nach Westen auf die A5 Richtung Frankfurt ab. Die Route über Frankfurt nach Karlsruhe liegt in der Rheinebene und ermöglicht – topografisch bedingt – bessere Reichweiten. Das bedeutet wiederum entspannteres Fahren und weniger Ladestopps.

Der Roadtrip endet

Nach über 2.300 gefahrenen Kilometern kamen wir am Nachmittag in Sindelfingen an und beendeten damit den Great Electrip.

Ich kann nur sagen: Es war eine tolle und spannende Erfahrung! Das Reisen ist natürlich ein anderes und man muss sich die Zeit für die Strecke nehmen. Überwindet man aber erst einmal seine Reichweitenangst, kann man mit dem Elektroauto wirklich überall hinkommen. Denn merke: Was mit einem kleinen Elektrosmart geht, geht mit jedem anderen Elektroauto erst recht!

Weiterführende Links:

4 Kommentare zu „Great Electrip: 1.000 km im Elektro-Smart nach Dänemark – Teil 3

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  1. Hallo Markus
    Danke für Deinen Beitrag.
    Wenn man gut plant und Spass dran hat, was auszuprobieren, dann kann man auch mal mit einer kleinen Batterie wie im BMW i3 (18,8 kWh) 1000 km in 36 Stunden zurück legen. Hab das mal gemacht. Abfahrt 10 Uhr in Wallisellen / Schweiz. Dann über Davos, Meran nach Trento. Dort übernachtet. Dann wieder retour via Meran, Davos mit Schwenker via Chur, Flims Laax und Falera und dann am Abend wieder heim nach Wallisellen.
    Allerdings sinkt der Neuheitswert irgendwann. Denn ich weiss ja jetzt, das es geht.
    Wenn ich auf 10’000 km alle 100 km lade komme ich auf 100 Ladevorgänge. Eine doppelt so grosse Batterie reduziert das um einen Faktor 2. Und solange die Zyklusbeständigkeit der Batterien noch ein Thema ist, nicht zu vernachlässigen.
    Persönlich bin ich der Meinung, dass ab 60 kWh die Fahrzeuge zu 99.5% alltagstauglich sind. Und dieser Wert scheint sich jetzt bis 2020 auch als Standard-Wert zu etablieren. Alles darüber hinaus ist natürlich auch interessant, aber für die breite Verwendung ist die 300 km Grenze (ich rechne mal mit 20 kWh/100 km – wegen Winter, Beladung, Steigungen) eine Schwelle, ab der die Akzeptanz sprunghaft in die Höhe geht.
    War spannend zu lesen – Danke
    Jürgen / Wallisellen Schweiz

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    1. Hallo Jürgen,
      schön, dass du ähnliche Erfahrungen gemacht hast. Ich denke inzwischen auch, dass ~20kWh wirklich die unterste Grenze sind, die aber als Zweitwagen im Stadtbetrieb bereits völlig ausreichen, wenn man zu Hause laden kann. Mit 40 kWh kann man dann sogar über ein Elektroauto nachdenken, wenn man keine eigene Ladestation hat und ggf. bereit ist, für längere Fahrten ein Fahrzeug zu mieten. Und ~60 kWh scheinen sich als bester Standard zu etablieren. Ich bin auch der Meinung, dass diese Batteriegröße absolut ausreichend ist und fast alle Erstwagen ersetzen kann. Alles darüber ist dann Luxus.
      Hyundai Kona, Kia Niro und Soul, sowie der Ampera-e und natürloch das Model 3 sind daher meines Erachtens heute mit die besten E-Fahrzeuge für Leute, die keinerlei Einschränkung bei der Reichweite akzeptieren wollen.
      Viele Grüße
      Marcus

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