Genf häppchenweise – Teil 4: Der Honda e Prototype

Noch bevor der Elektro-Mini auf dem Markt ist, bekommt dieser schon Konkurrenz – und zwar aus Japan. Auf der Geneva International Motor Show gibt Honda mit der sehr seriennahen Studie e Prototype einen Ausblick auf den kleinen, elektrischen Stadtflitzer, der nächstes Jahr in Serien gehen wird.

Der Honda e Prototype ist dabei eine Weiterenwicklung des Konzeptfahrzeugs Honda Urban EV, das 2017 auf der IAA vorgestellt wurde. Das Design hat sich in einigen Punkten geändert, folgt aber insgesamt der 2017er-Studie. Da laut Honda das ausgestellte Fahrzeug zu über 95% der Serie entsprechen soll, dürfte sich daran auch nicht mehr viel ändern.

Schauen wir uns das Auto im Detail an. Die Front ist weiterhin geprägt durch zwei runde Scheinwerfer im Retro-Design, die von einem schwarzen Balken eingefasst werden. Die Front nahezu vollständig geschlossen und wirkt sehr aufgeräumt. Lediglich ein kleiner Lufteinlass an der Unterkante der Frontschürze versorgt das Fahrzeug mit (Kühl-)Luft, die für Klimaanlage und Kühlsystem benötigt wird.

In die Fronthaube eingelassen ist dabei die Ladeklappe, hinter der sich der Anschluss für CCS und Typ-1 befindet. In der Europavariante darf man davon ausgehen, dass hier ein Typ-2-Anschluss mit CCS verbaut wird.

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Schlichte, glattflächige Front mit Retro-Elementen. Der Honda zitiert Kleinwägen der 70er und 80er Jahre.

Insgesamt wirkt die Front freundlich, mit einer ordentlichen Prise retro. Wodurch sich auch abzeichnet, auf welche Klientel der Honda abzielt: Käufer, die sich bisher für einen Mini oder einen Fiat 500 erwärmen konnten, könnten nun bei Honda ebenfalls fündig werden.

Besonders in der Seitenansicht wird dies deutlich, die unverkennbar den Mini zitiert. Warum auch nicht, die Proportionen mit kurzen Überhängen passen wunderbar in die Stadt. Schön, dass sich der Honda auch jeglichen SUV-Klimbim verwehrt und einfach mal ein Kleinwagen sein darf.

Bemerkenswerte Details sind dabei die versenkten vorderen Türgriffe, die an das Tesla Model 3 erinnern. Die Türgriffe der Fondtüren – die es im Urban EV nicht gab – verstecken sich in der C-Säule. Dieses Design-Gimmick kennt man inzwischen von zahlreichen Fahrzeugen. Nicht praktisch, lässt aber dafür die Seitenlinie sehr elegant und glattflächig wirken. Keine Sicke, die hier das Blech unterbricht.

Bemerkenswert sind ebenfalls die Kamera-Rückspiegel, die man so bisher nur als optionales Extra aus dem Audi e-tron kennt. Es ist nicht auszuschließen, dass es diese auch in die Serie schaffen – wenn auch nur als Option.

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Die Schlichte und elegante Seitenansicht versteckt gekonnt die Fondtüren.

Das Heck des Fahrzeugs zitiert dabei die Frontansicht. Große, runde Rückleuchten sorgen auch hier für den gewünschten Retro-Touch.

Das Interieur konnte auf der Messe leider nur virtuell betrachtet werden. Was jedoch positiv auffällt, ist das äußerst aufgeräumte Cockpit. Es wird dominiert von zahlreichen Displays. Links und rechts befinden sich die Monitore der Rückkameras. Der Fahrer blickt ebenfalls auf ein großes Display. Rechts davon schließen sich zwei weitere Displays für das Infotainment an, die dadurch das komplette Armaturenbrett einnehmen. Eleganz wird durch die Holzeinlagen ins Cockpit gezaubert. Die Sitze sind mit Stoff bezogen und erinnern auch hier an Kleinwagen-Klassiker.

Honda e Prototype at Geneva International Motorshow
Das Cockpit des Honda e Prototype wird von zahlreichen Displays dominiert. (Foto: © Honda)

Wie die Materialqualität in der Serie ist, bleibt abzuwarten. Große Schwächen sollte sich der Honda-Kleinwagen hier nicht leisten, um die avisierte Klientel nicht zu verschrecken.

Kommen wir noch zu ein paar Zahlen: Die Reichweite beziffert Honda mit über 200 km, wobei sich diese auf den WLTP beziehen dürften. Eine Schnellladefunktion via CCS soll den Akku in 30 Minuten auf 80% aufladen. Soweit zu den offiziellen Werten.

Ich erlaube mir noch, ein paar Abschätzungen zu ergänzen: Für 200 km Reichweite sollte der Akku einen nutzbaren Energieinhalt von ca. 30 kWh haben. Um diesen in 30 Minuten auf 80% zu laden, wird eine durchschnittliche Ladeleistung von ca. 50 kW benötigt. Gut möglich, dass es in der Spitze nachher 60 bis 70 kW sind, je nachdem, wie stark die Ladekurve im Ladeverlauf abfällt.

Während man die DC-Ladeleistung und Batteriekapazität noch grob abschätzen kann, sind folgende Aussage pure Spekulation: Das AC-Laden wird höchstwahrscheinlich per Einphasen-Lader stattfinden, der – so vermute ich – 6,6 kW Leistung haben dürfte.

Damit für Fahrspaß gesorgt ist, sollte die E-Maschine mindestens 100 kW leisten. Die Höchstgeschwindigkeit dürfte zwischen 140 und 160 km/h liegen.

Ich bin gespannt, wann Honda mit den offiziellen Zahlen herausrückt. Der Honda e Prototype (oder wie auch immer er dann heißen wird) hat auf jeden Fall das Zeug zu einem Verkaufsschlager. 15.000 Reservierungsanfragen liegen laut Honda bereits vor. Nächstes Jahr sollen die Auslieferungen beginnen.

Technische Daten

Fahrzeug: Honda e Prototype
Energieinhalt Batterie: ca. 30 kWh*
Ladeleistung DC: ca. 50 bis 70kW*
Ladezeit DC: 0-80% in 30 min
Reichweite (WLTP): 200 km

*geschätzt

Wettbewerber

Zukunftschancen

Schön, dass es noch Autos gibt, die einfach schlicht, elegant und freundlich sein dürfen. Und dazu noch wunderbar in die Großstädte dieser Welt passen. Honda positioniert ihren elektrischen Kleinwagen gezielt als Premiumfahrzeug, weshalb wohl kein günstiger Einstiegspreis zu erwarten ist. Er ist für Kunden gemacht, denen Styling wichtiger ist als das letzte Quentchen Praxisnutzen. Dadurch wird der Honda vor allem als Zweitwagen Anwendung finden.

So gesehen stehen die Chancen für den Honda nicht schlecht, einen großen Verkaufserfolg zu laden. Begrenzendes Element wird – wie so oft – nicht die Nachfrage, sondern die Lieferfähigkeit des Herstellers sein. Hoffen wir, dass Honda hier optimistisch geplant hat.

Mehr von der GIMS 2019.

4 Kommentare zu „Genf häppchenweise – Teil 4: Der Honda e Prototype

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