Strom stationär speichern

Am 22.04. öffnete das Nürtinger Unternehmen ads-tec seine Pforten, um sich im Rahmen der „Nürtinger Energietage“ vorzustellen.

Das Unternehmen gliedert sich grundsätzlich in zwei Sparten auf. Ursprünglich stellte das Unternehmen Steuerungssysteme für Produktionsanlagen her. Daraus entwickelte sich die heutige Sparte „Industrial IT“.

Für die Elektromobilität, wenn auch nur indirekt, interessant ist die zweite, neuere Sparte von ads-tec: Energy Storage. Unter dieser Sparte produziert und vertreibt das schwäbische Unternehmen Batteriespeicher mit dem Markennamen StoraXe für stationäre Anwendungen. Diese werden im 2009 errichteten Werk in Wilsdruff bei Dreseden hergestellt. Das Unternehmen hat dabei vor allem drei Zielgruppen im Auge: private Kunden, Industrie und Gewerbe sowie Energieversorger.

ads-tec Nürtingen
Unternehmenssitz von ads-tec in Nürtingen

Heimspeicher

Private Kunden, die eine PV-Anlage ihr Eigen nennen, gehören zur ersten Zielgruppe von ads-tec. Hierfür werden Speicher mit 8kWh und 16kWh angeboten. Zusätzlich muss ein Wechselrichter angeschafft werden, um den Gleichstrom der Batterie ins Wechselstromnetz einspeisen zu können. Hier arbeitet ads-tec eng mit SMA zusammen und empfiehlt dabei die verbreiteten „Sunny Island„-Modelle.

Ziel eines solchen Speichers ist es, die überschüssige Energie einer PV-Anlage zwischenzuspeichern, um diese dann zu verbrauchen, wenn eben die Sonne nicht mehr scheint. Scheint also mittags die Sonne, die Waschmaschine wird aber erst abends eingeschaltet, kann diese mit der eigens erzeugten Energie betrieben werden.

Alternativ kann man die überschüssige Energie auch direkt von der PV-Anlage ins Netz zurückspeisen. Dies wurde auch bisher fürstlich vergütet, die Förderung aber inzwischen stark zurückgefahren. Nun steht der Eigenverbrauch im Fokus. PV-Anlagen dürfen nur noch 50% der installierten Leistung ins Netz einspeisen. Der Rest muss selbstständig „verbraten“ werden. Dafür ist der Heimspeicher eine ideale Lösung.

Auf der Kostenseite wiederum sagt ads-tec sehr deutlich, dass sich ein Heimspeicher aktuell für den privaten Endkunden in so gut wie keinem Fall lohnt. Hier ist also (noch) eine ordentliche Portion Idealismus im Spiel. Immerhin werden Heimspeicher derzeit mit 25% staatlich gefördert.

Wo kommt jetzt das Thema Elektromobilität mit ins Spiel? Nun, wer ein Elektroauto fährt möchte sicherlich nicht, dass sein Fahrzeug mit Atom- und Kohlestrom betrieben wird, sondern mit dem „grünen“ Strom vom Dach. Ein Heimspeicher kann genau dies ermöglichen. Um aber vollständig den Solarstrom in eine bspw. 25kWh große Fahrzeugbatterie laden zu können, benötigt man nicht nur einen sehr großen und teuren Heimspeicher sondern auch eine entsprechend leistungsfähige PV-Anlage. Von daher wird ein Heimspeicher in den meisten Fällen die Ladung eines E-Mobils unterstützen, aber nicht vollständig abdecken können.

Industrie und Gewerbe

Für Industrie und Gewerbe sieht der Business-Case bei Stationärspeichern etwas anders aus. Hierfür werden 25kWh-Speicher angeboten, die bereits einen SMA-Wechselrichter integriert haben. Diese können auch als Notstromaggregat fungieren. Grundsätzlich lassen sich mehrere StoraXe-Speicher auch zusammenschalten, um so die gesamte Kapazität zu erhöhen.

Kommen wir zurück zum Business-Case. Hier ist es so, dass die Unternehmen nicht nur den tatsächlich verbrauchten Strom bezahlen müssen, sondern auch eine Gebühr für die maximal benötigte Leistung. Wird diese ein paar Mal im Jahr überschritten, werden weitere Gebühren fällig. Die Gebühren für die maximale Leistung fallen auch dann an, wenn die Leistung nicht abgerufen wird, also z.B. nachts, wenn die Produktion steht. Es lohnt sich also, die Strom-Spitzen, die zu bestimmten Tageszeiten auftreten können, zu glätten: dies wird Peak-Shaving genannt.

StoraXe-Speicher mit 25kWh
Ein StoraXe-Speicher mit 25kWh und integriertem Wechselrichter für Industrie und Gewerbe.

Für diesen Zweck sind Energiespeicher natürlich prädestiniert. Bei Zeiten mit geringem Leistungsbedarf wird der Speicher aufgeladen und zu Zeiten mit hohem Leistungsbedarf gibt der Speicher seine Energie ab, wodurch der Netzanschluss nicht so stark belastet wird. Idealerweise wird dieses Konzept noch mit einer PV-Anlage gekoppelt.

Für Industrie und Gewerbe kann sich daher schon heute ein stationärer Speicher rechnen. Dies ist daher die zweite  Zielgruppe von ads-tec.

Energieversorger

Zur dritten Zielgruppe gehören die Energieversorger. Diese setzen ebenfalls bereits StoraXe-Speicher ein, um Netzschwankungen ausgleichen zu können. Diese Systeme bestehen aus einer ganzen Reihe von Energiespeicher-Schränken, die dann in einem Container zusammengefasst werden.

In einer autarken Modell-Siedlung in Weinsberg bei Heilbronn werden so bereits 97% der benötigten Energie selbstständig erzeugt, gespeichert und verbraucht.

StoraXe-Energiespeicher
StoraXe-Energiespeicher als Containerlösung am Unternehmenssitz von ads-tec.

Ein weiteres Einsatzszenario ergibt sich durch den Ausbau der Ladeinfrastruktur. Unter Umständen reicht der lokal verfügbare Netzanschluss nicht aus, um damit mehrere Elektroautos gleichzeitig zu laden. Hierfür wurde der PowerBooster entwickelt. Dabei handelt es sich um eine Batterie, ungefähr so groß wie ein Trafohäuschen, die langsam aufgeladen wird, um dann in kurzer Zeit entladen zu werden. Somit können die daran angeschlossenen Elektroautos schnell und mit hoher Leistung geladen werden. Den PowerBooster gibt es mit 120kWh und 240kWh, reicht damit also auch locker für mehrere Autobatterien. Rechnen kann sich das ganze, wenn der Aufwand, lokal eine höhere Leistung zur Verfügung zu stellen, deutlich höher ist, als den Energiespeicher zu betreiben.

Pouch-Zelle von Leclanché
Einer der drei Zellhersteller, die ads-tec beliefern, ist Leclanché aus der Schweiz. Weitere sind SK und Kokam aus Korea.

Fazit

Somit ergeben sich eine Vielzahl von Anwendungsmöglichkeiten für stationäre Energiespeicher. Sicherlich ist ads-tec hier nicht der einzige Anbieter. Dennoch hat das Unternehmen das Potential frühzeitig erkannt und bereits viele Projekte in die Realität umgesetzt. Ich möchte zwar behaupten, dass einige Projekte ohne staatliche Förderung nicht hätten realisiert werden können, aber es zeigt auch, dass sich hier ein neuer Markt entwickelt. Ähnlich wie bei der Elektromobilität ist es eine Frage der Zeit, bis solche Stationärspeicher sich nicht nur für Idealisten rechnen werden.

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