Darum liebe ich meinen Elektrosmart: Ein völlig subjektiver Erfahrungsbericht

Clemens Gleich hat natürlich völlig recht, wenn er meint, dass die Diskussion um Elektroautos unbedingt versachlicht werden muss. Das gilt für notorische Kritiker genauso wie für liebesblinde Enthusiasten. Daher kann dieser völlig subjektive Artikel als krasser Gegenentwurf verstanden werden. Es ist eine Liebeserklärung an meinen kleinen gelben Elektrosmart.

Ehrlich, ich war früher definitiv kein smart-Fan. Vor ein paar Jahren hätte ich mir nie vorstellen können, so ein kleines Wägelchen zu fahren. Doch dann entdeckte ich meine Faszination für Elektroautos und fuhr ab und zu – beruflich bedingt – einen Elektrosmart. Damaliges Fazit: Der geht wie Schmidt’s Katze und ist unglaublich wuselig. Fahrkomfort ist nicht so toll, Sitzposition auch nicht, aber sonst? Damals war der E-Smart leider noch viel zu teuer, weshalb ich mir keinen neuen kaufen konnte.

Doch es kam wie es kommen musste, ein paar Jahre später kam das Thema wieder auf den Tisch und ich kaufte mir einen Elektrosmart. Warum ich gerade dieses Fahrzeug auswählte, habe ich bereits in diesem Artikel ausführlich beschrieben. So ganz genau wusste ich beim Kauf nicht, auf was ich mich da einlasse. Aber ich wollte unbedingt elektrisch fahren. Also: Gönn‘ dir!

Abholung des smart in Offenbach
Stolz wie Bolle: Ich am Tag der Übernahme des gebrauchten E-Smarts in Offenbach im Oktober 2017.

Nach fast zwei Jahren mit dem E-Smart kann ich sagen, was für mich die Faszination des Autos ausmacht: Das Auto ist einfach so unfassbar unkompliziert. Man wuselt mit ihm ganz easy durch den Verkehr, findet überall eine Parklücke (wobei für mich als Einparkidioten eine Parklücke nie groß genug sein kann) und man bekommt überraschend viel Krempel in den Kofferraum. Der smart ist einfach ideal, um die eigentlich langweiligen Alltagsfahrten in kleine, spaßige Touren zu verwandeln. Nie fährt man unnötig viel Auto durch die Gegend. Nie hat man das Gefühl, gerade ein ökologisches Disaster zu verursachen, wenn man mal schnell eine kurze Strecke fahren muss.

Man kommt eben da entspannt durch, wo bereits ein VW Golf zu breit erscheint. Auf der rechten Spur auf der Autobahn würde auch ein zweiter smart problemlos daneben passen. Es ist schlichtweg dieses geniale Konzept eines Stadtautos, das erst mit dem Elektroantrieb seinen eigentlichen Lebenssinn gefunden hat. Ich möchte sogar behaupten: Es ist das zukunftsfähigste und innovativste Fahrzeug, das Daimler in den letzten 20 Jahren gebaut hat. Andere Fahrzeuge erscheinen dagegen maßlos over-engineered. Man muss sich nur darauf einlassen. Die Freude am Verzicht. Schade, dass Daimler das nicht erkannt hat und nicht so richtig weiß, was sie mit der Marke anfangen sollen.

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Ist er nicht niedlich? Der kleine, gelbe smart weckt Beschützerinstinkte – und sorgt bei seinem Anblick immer für gute Laune.

Das Schöne am E-Smart ist auch: Der Neidfaktor des Fahrzeugs liegt nahe Null. Ja, man wird von vielen PS-Enthusiasten eher bemitleidet. Doch Mitleid gebührt eher denen, die sich und ihr Ego nur durch ein V8-Emblem am Kotflügel, 22″-Felgen und vier Auspuffrohre bestätigt sehen. Der smart ist, frei nach dem (genialen) Motto von Dacia,  „das Statussymbol für alle, die kein Statussymbol brauchen.“ Word.

Um diesen Text genauer zu verstehen, sollte man wissen, dass der Autor eigentlich jemand ist, der es auch ganz gerne mal auf der linken Spur fliegen lässt. Ja, ich fahre Autos bis an ihre Limits. Ja, das ist unvernünftig und schlecht fürs Klima. Insofern könnte man vermuten, dass ich den smart auf Autobahnetappen nicht anrühre. Falsch gedacht.

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Am Strand von Lakolk: Bis nach Dänemark hat es der kleine smart geschafft.

Manchmal missbrauche ich ihn dafür und fahre mit ihm auch lange Strecken (Definition für lange Strecken beim Elektrosmart: Alles über 100 Kilometer). Einfach, weil es geht (und weil es äußerst günstig ist). Aber ganz ehrlich, das mag der smart nicht so. Es ist ein bisschen wie eine 20-Kilometer-Tageswanderung mit einem Kleinkind durchzuführen, das gerade die ersten Schritte gemacht hat. Man zuckelt dann auf der rechten Spur hinter LKWs her und ärgert sich jedes Mal, wenn eine Autobahnladesäule mal wieder nicht funktioniert und man mit den letzten Restkilometern zur nächsten Ladesäule kriechen muss. Leider oft genug passiert. Trotzdem versuche ich es immer wieder. Es ist ein bisschen eine Provokation der deutschen Ladeinfrastruktur. Fahren im Bertha-Benz-Style. Erst wenn man problemlos und ohne Umwege (!) mit einem Elektrosmart von Stuttgart nach Hamburg oder Berlin kommt, ist unser Ladenetz ausreichend dicht. Behaupte ich jetzt mal.

Inzwischen hoffe ich, dass bald ein Tempolimit kommt – als Selbstschutz. Das schnelle Fahren mit dem Verbrenner macht natürlich Spaß, ist aber eben auch Käse. Die Autobahn ist die NRA der Deutschen. Ich wäre bereit, meine Waffe abzugeben – sinnbildlich gesprochen. Geerdet durch den kleinen smartie. Höchstgeschwindigkeit: 125 km/h. In der Praxis lässt man es auf längere Strecken bei 100 km/h gut sein. Der Reichweite wegen.

Smart Fortwo ED beim Eco-GP
Stolzer Besitzer mit seiner Renn-Crew: Mein smart nach dem 12-Stunden-Rennen am Hockenheimring. (Foto: © Valentin Buss)

Stichwort Reichweite. Immer noch das Thema Nummer eins bei E-Autos. Dazu zwei Feststellungen. Erstens: 100 km Reichweite reichen locker für 90 % der täglichen Fahrten. Wirklich. Aber auch nur, wenn man zu Hause schnell und unkompliziert nachladen kann. Zweitens: Ja, auf Langstrecken wünscht man sich natürlich einen größeren Akku. Logisch. Nutzt man den smart für ersteres, wird man mit ihm viel Freude haben. Zweiteres ist nur was für Enthusiasten (manche mögen sie Masochisten nennen), die Spaß am Verzicht oder an der Herausforderung haben. Just like me.

Mit dem gelben Elektrosmart durfte ich in den zwei Jahren Erlebnisse und Erfahrungen sammeln, die ich mit einem schnöden Verbrenner-Auto nie hätte machen können. Dafür bin ich dem kleinen Auto dankbar. Und dafür liebe ich ihn. Punkt.

Mehr zum Elektrosmart auf Generation Strom.

Smart Fortwo Electric Drive
Einfach mal die Landstraße nehmen und Deutschland kennenlernen. Auf der Autobahn verpasst man sowieso nichts und hier fühlt sich der wendige smart umso wohler.

2 Kommentare zu „Darum liebe ich meinen Elektrosmart: Ein völlig subjektiver Erfahrungsbericht

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  1. Hallo Herr Zacher

    Habe Ihre Homepage heute Abend zum ersten mal entdeckt, da ich mich seit einiger Zeit auch für einen Smart ED3 mit dem besagten Brusa 22 KW Ladegerät interessiere würde mich mal interessieren was Sie als Ingenieur denn dazu sagen, dass die Ladeleistung ( KW ) des Ladegerätes ja höher ist als die Kapazität ( KW/h ) des Akku ? Hält das auf Dauer oder altert der Akku durch dauerhaftes Schnellladen schneller ?

    Außerdem kommt auf Langstrecke noch hinzu, dass ja dauernd geladen werden muss, weil ja ca. alle 100 Kilometer der Akku leer ist und ich erneut laden muss.
    Somit hat ein gebrauchter Smart ED3 mit 50.000 Kilometern schon ca. 500 Ladezyklen hinter sich !
    Was schafft der Akku an Ladezyklen wohl ?
    Ein Tesla P100 hat nach 500 Ladezyklen schon 250.000 Kilometer gelaufen und mit sicherheit eine Degeneration von ca. 10 % wenn der immer am Supercharger geladen wurde !

    Wie haben ja quasi gleiche Bedingungen wie ein Tesla am Supercharger, auch der Smart lädt mitt 22 KW ja mit mehr Leistung / als der Akku an Kapazität in KW/h hat , genau wie Tesla !

    Was sagen Sie / Du dazu, würde mich echt interessieren weil ich auch echt an so einem ED 3 mit Brusa Ladegerät interessiert bin !

    Gruß
    Markus

    1. Hallo Markus,
      freut mich, dass du auf meinem Blog gelandet bist und dir auch einen Smart ED3 zulegen möchtest. Grundsätzlich kann ich dir nur wärmstens empfehlen, den Smart mit dem hervorragenden 22-kW-Lader zu kaufen. Der ist einfach super praktisch und ermöglicht es auch längere Strecken in noch akzeptable Zeiten zu fahren (auf meinem Blog gibt es einige Berichte darüber, z.B. über meine Fahrt nach Dänemark). Siehe dazu unter: https://generationstrom.com/category/smart-ed/

      Wie du richtig festgestellt hast, ist die Ladeleistung, verglichen mit der Akkugröße, ziemlich hoch. Ähnlich wie bei Tesla. Dieses Verhältnis wird C-Rate genannt und berechnet sich aus dem Verhältnis aus Leistung zu Energieinhalt.

      Tatsächlich lässt sich nicht leugnen, dass bei sehr häufigem Einsatz des 22 kW Laders die Zellen möglicherweise etwas schneller altern. Genaue Belege dafür gibt es aber nicht. Da ich den Smart mit Batteriemiete gekauft habe, ist mir die Alterung relativ egal. Sollte der Akku in die Knie geben, bekomme ich kostenlos einen neuen, solange ich eben fleißig die Batteriemiete zahle.
      Die Batteriemiete würde ich dir unbedingt nahe legen, nimmt sie doch einen Großteil des Risikos weg.
      Viele weitere Infos und Tipps zum Kauf eines gebrauchten Elektrosmarts findest du auch auf meinem Partner-Blog https://www.eqpassion.de/smartED3 . Hier hat Moritz Leicht eine tolle Kaufberatung für die Smarts erstellt.

      Wenn du weitere Fragen hast, melde dich gerne auch per E-Mail generationstrom@gmail.com.

      Viele Grüße
      Marcus

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