Mein neues, batteriebetriebenes Spielzeug

Endlich ist es soweit – ich bin unter die E-Mobilisten gegangen. Nach einiger Suche habe ich mir ein Elektroauto zugelegt. Und es kam eigentlich auch nur ein bestimmter Fahrzeugtyp in Frage.

Bereits seit einiger Zeit habe ich intensiv den Gebrauchwagenmarkt für E-Fahrzeuge beobachtet. Das Angebot ist dabei auch gar nicht so schlecht und im Gegensatz zum Kauf eines Neufahrzeugs spart man eine Menge Geld. Der Gebrauchtwagenmarkt bis 15.000 Euro besteht dann auch aus den üblichen Verdächtigen, allerdings kam für mich letztendlich nur ein Typ in Frage.

Das Gebrauchtwagenangebot bis 15.000 Euro

  • Nissan Leaf: Leider gefällt mir das Design einfach nicht, auch wenn der Leaf ansonsten ein tolles Elektrofahrzeug ist. Ab ca. 13.000 Euro gebraucht zu bekommen.
  • VW e-Up: Auch nicht schlecht, aber zu vernünftig – und dafür gebraucht zu teuer. Ab ca. 15.000 Euro verfügbar.
  • Mitsubishi EV / Peugeot iOn / Citroen C-Zero: Die machen einfach nicht so richtig Spaß. Bei unter 10.000 Euro geht es allerdings schon los.
  • Renault Zoe: Das Elektroauto mit dem besten Preis-/Leistungsverhältnis. Für 12.000 Euro gibt es bereits attraktive Angebote.
  • smart fortwo electric drive: Klein, quirlig, spaßig. Für Langstrecken nicht besonders geeignet, dafür gibt es nicht wenige Exemplare für unter 9.000 Euro.

Alle Modelle schaffen so um die 100 Kilometer und sind für unter 15.000 Euro erhältlich. Meine Wahl fiel aber letztendlich auf den – taaddaa! – smart fortwo electric drive.

Warum? Darum!

Warum? Nun, er macht richtig viel Spaß, er reicht für einen Zweipersonenhaushalt völlig aus und es gibt ihn mit einem vernünftigen Ladegerät (22kW – aber sehr selten!). Was aber letztendlich der wichtigste Grund für mich war, ist die Batterie, die ich in meiner beruflichen Tätigkeit bei der Accumotive zigfach analysiert, repariert, umgebaut, getestet, zerlegt und zusammengebaut habe. Kurz: Der smart ist ein bisschen wie ein eigenes Kind, auch wenn man nur einer von vielen Elternteilen ist.

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Der smartie und ich bei der Abholung vor der Mercedes-Benz-Niederlassung Frankfurt am Main/Offenbach.

Wie kam ich nun zu genau diesem Exemplar? Nun, es gab einige Pflichtextras und Randbedingungen, die das Zielfahrzeug erfüllen musste. Dazu gehören:

  • Der besagte und sehr seltene 22kW-On-Boad-Lader: Dieser kostet damals satte 3.060 Euro Aufpreis – was den geringen Verbreitungsgrad erklärt. Serienmäßig ist der smart ed nur mit einem 3,3kW-Schnarchlader ausgerüstet. Das reicht für die heimische Steckdose, macht aber Fahrten außerhalb des Aktionsradius einer Batterieladung unmöglich, schließlich braucht eine Vollladung dann 6 Stunden. Mit dem 22kW-Lader ist es lediglich eine Stunde. Ein absolutes Muss also, wenn das Fahrzeug alltagstauglich sein soll. 22kW-Ladesäulen gibt es schließlich schon richtig viele und mit diesem Feature kann aktuell auch nur die Renault Zoe mithalten.
  • Das Sportlenkrad mit Schaltwippen: Mit den Schaltwippen kann man nämlich die Rekuperationsstufen einstellen. Von gar keiner Rekuperation – das Auto segelt dann – über mittlere bis starke Rekuperation. Durch diese Funktion braucht man das Bremspedal praktisch gar nicht mehr zu betätigen, da sich so manuell sehr schnell die gewünschte Bremswirkung einstellen lässt. Für mich ist das die beste Möglichkeit zur Einstellung der Rekuperation. Nur der Hyundai Ioniq hat bisher diese Idee wieder aufgegriffen.
  • Eine Sitzheizung: Absolut notwendig, um es im Winter warm zu haben und trotzdem eine vernünftige Reichweite mit dem Fahrzeug zu erzielen.
  • Eine außergewöhnliche Farbe: Für mich war klar, dass mein Elektroauto nicht in der grau-schwarz-weißen Masse untergehen darf. Darum suchte ich nach Fahrzeugen, die entweder weiß/electric green, schwarz/electric green oder eben knallgelb sind. Nun ist es „flammengelb“ geworden und die Farbe gefällt mir einfach richtig gut, da sie einen schönen Farbklecks ins Verkehrseinerlei bringt.
  • Der Standort: Schließlich muss das Fahrzeug besichtigt und auch abgeholt werden können. 200 Kilometer waren hier meine Schmerzgrenze. Mein gelber smart stand nun in Offenbach bei Frankfurt – also bereits so ziemlich an der Grenze meines Suchradius.

Was jeder smart mitbringt ist ein sehr dynamischer Antritt aus dem Stand, mit dem man den ein oder anderen deutlich stärkeren Verbrenner locker an der Ampel stehen lassen kann. Außerdem entfällt beim electric drive das nervige halbautomatisierte Getriebe, da der smart über nur einen fest übersetzten Gang verfügt (so wie die meisten E-Autos). Dazu kommt der tiefe Schwerpunkt durch die Batterie, was dem Fahrzeug eine deutlich bessere Kurvenlage gibt.

Zusätzlich lässt sich beim smart per App der Ladezustand abfragen und die Standklimatisierung einschalten. Ebenfalls ein Feature, dass es serienmäßig gibt. Im Winter lässt sich der smart vorheizen und im Sommer vorkühlen, zumindest solange das Fahrzeug an einer Ladedose angeschlossen ist. Dadurch lässt sich ebenfalls die Reichweite erhöhen. Auf weitere technische Raffinessen und Details möchte ich aber in einem späteren Artikel eingehen.

Die erste Fahrt: Von Frankfurt nach Sindelfingen

Am 28.10.2017 war es nun endlich soweit: Ich konnte meinen gelben smart bei der Mercedes-Benz-Niederlassung Frankfurt am Main/Offenbach abholen. Vorab hatte ich mir noch ein Mode-3-Ladekabel von Phoenix Contact besorgt, welches seltsamerweise keine Serienausstattung beim smart ed war. Dieses Kabel ist aber absolut erforderlich, um tatsächlich mit der vollen Leistung das Fahrzeug laden zu können.

Für den Rückweg nach Sindelfingen hatte ich mir zwei Zwischenetappen nach jeweils 70 bis 80 Kilometern gesetzt, bei denen man kostenlos mit 22kW aufladen konnte. Leider hatte ich bereits bei meinem ersten Stopp etwas Pech…

Ladeweile bei McDonalds
Ladeweile bei McDonald’s. Im Hintergrund ist der smart zu erkennen, der leider nicht geladen werden konnte.

Dieser führte mich zu einem McDonald’s in der Nähe Mannheims. Die Freischaltung durch den McDonald’s Mitarbeiter funktionierte problemlos, leider wollte der smart partout nicht anfangen zu laden. Der hilfsbereite Mitarbeiter teilte mir mit, dass es heute schon einmal jemand versucht hatte, allerdings auch erfolglos. Mit nur 18 Kilometern Restreichweite kam ich nun also bereits bei meinem ersten Ladevorgang in die Situation, die wohl zur heutigen Elektroautofolklore gehört: Batterie leer – und keine Ladesäule in Sicht. Nach einem Cookie und einem Kakao versuchte ich noch ein paar Mal den Ladevorgang zu starten und probierte auch das Notladekabel aus, aber vergebens.

Über die Wattfinder-App suchte ich mir also weitere Lademöglichkeiten im näheren Umfeld und steuerte die Mannheimer Innenstadt an, in der es zum Glück in einigen Tiefgaragen Lademöglichkeiten gibt. Auf dem Weg dorthin probierte ich noch eine Ladesäule bei einem VW- und eine Säule bei einem Audi-Händler, jedoch waren diese offenbar nur für VW-Kunden mit der Charge&Fuel-Karte zugänglich. Die Ladesäulenkleinstaaterei lässt grüßen.

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Mein Rettungsanker: Die Tiefgarage unter dem Wasserturm in Mannheim. Für 1,50 Euro pro Stunde parken und 16 kostenlose Kilowattstunden laden. Dem 22kW-Lader sei Dank.

Da der smart in der Stadt deutlich weniger Strom verbraucht als auf der Autobahn, kam ich jedoch mit ca. 15 Kilometern Restreichweite in der Tiefgarage unter dem Wasserturm an, wo man für eine Stunde parken auch nur 1,50 Euro zahlen muss. Mit dem 22kW-Lader reicht diese Zeit ja zum Glück aus, um die Batterie wieder voll zu laden. Top: Es gab zwei Ladepunkte und keine wurde durch einen Verbrenner blockiert. Freischalten konnte ich den Ladepunkte mit dem The New Motion Schlüsselanhänger. Die Ladung selber war dann kostenlos. Unterm Strich also 3,39 Euro bei McDonalds und 1,50 Euro Parkgebühren, dafür Cookie, Kakao und 16 Kilowattstunden. Das ist fair. Leider kostete mich dieser Umweg und das ganze hin und her weit über eine Stunde, aber ich hatte ja Zeit.

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Kostenlos Laden in Remchingen. Die Freischaltung per Telefon funktionierte problemlos.

Mein nächster Stopp führte mich nach Remchingen bei Pforzheim, wo die Stadtwerke Calw ebenfalls eine kostenlose Ladesäule aufgestellt haben. Diese konnte man problemlos per Telefon freischalten. Während der Ladezeit machte ich einige der Bilder, die ich in diesem Beitrag gepostet habe, und suchte in der näheren Umgebung ein paar Geocaches. Dies schien die örtliche Bevölkerung bereits zu beunruhigen, weshalb kurz bevor ich weiter fahren wollte, ein Polizeiauto auf den Parkplatz rollte. Anscheinend gab es an diesem Samstagabend nicht viel zu tun oder mein Vergehen (Geocaching und Elektroauto laden) fiel hier bereits in die Kategorie Schwerverbrechen, denn es stiegen gleich drei (!) Beamte aus dem Fahrzeug und es entwickelte sich ungefähr folgender Dialog:

„Zeigen Sie mal bitte Ihren Ausweis.“

„Gerne.“

„Ist das Ihr Fahrzeug?“

„Ja.“

„Können Sie den mal aufmachen.“

„Ja.“ – Klick –

„Hmm, ok. … Was kostet es denn das Auto zu laden?“

„Hier ist es kostenlos.“

„Kostenlos?! Wirklich? Und sonst?“

„Daheim sind es ca. 5 Euro.“

„5 Euro. Das ist günstig. Und wie weit kommt der dann?“

„So 100 Kilometer.“

„Hmm, das ist nicht viel. Aber so für den Weg zur Arbeit…reicht es ja eigentlich. Und wie fährt er sich?“

„Klasse, macht richtig Spaß. Darum habe ich ihn ja gekauft…“

„Ernsthaft?“

„Ja.“

„So so, naja, nur 100 Kilometer. Steckt halt noch alles in den Kinderschuhen. Also, gute Fahrt und schönen Abend.““

„Dankeschön, ebenfalls.“

Also langweilig wurde es mir bei meiner ersten Fahrt jedenfalls nicht. Den restlichen Weg legte ich dann auch bewusst abseits der Autobahn zurück, da der smart sich auf der Landstraße richtig spaßig um die Kurven fahren lässt und ich noch mehr als genug Restreichweite hatte, sodass ich die Leistung auch mehrfach voll ausschöpfen konnte.

Nach knapp sechs Stunden war ich dann zu Hause. Vier Stunden wären aber drin gewesen, wenn man konsequent auf der Autobahn gefahren wäre und eben die erste Ladesäule direkt funktioniert hätte. Trotzdem war ich super glücklich nach dieser Reise und freue mich nun auf weitere Erlebnisse mit meinem gelben smart 🙂

 

8 Kommentare zu „Mein neues, batteriebetriebenes Spielzeug

Gib deinen ab

  1. Hey Marcus,

    jetzt kam ich auch endlich mal dazu, in Ruhe dein Blog zu besuchen und zu lesen. Ich gespannt auf einen Bericht über die realistische Reichweite des Smarties im Winterbetrieb.

    Viele Grüße
    Vali

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