Great Electrip: 1.000 km im Elektro-Smart nach Dänemark – Teil 1

Elektroautos sind nur was für die Kurzstrecke? Mitnichten! Beim Great Electrip von New Motion durfte der kleine Elektro-Smart zeigen, dass man es auch mit 100 km Reichweite vom Rande des Schwarzwalds bis an die dänische Küste schaffen kann.

Wie kommt man auf so eine Idee und was ist eigentlich der „Great Electrip“?

Irgendwann Anfang Juli scrollte ich mal wieder durch meine Twitter Timeline und stieß dabei auf diesen Tweet von New Motion:

Die Aktion weckte sofort mein Interesse und so bewarb ich mich einfach mal für den Great Electrip. Die Bedingungen: Man musste im Besitz eines E-Autos (check) und New-Motion-Kunde sein (nochmals check). Außerdem sollte der Trip – als Gegenleistung zum kostenlosen Laden – über die Social-Media-Accounts des Teilnehmers promoted werden. Da ich meine Elektroauto-Erfahrungen sowieso über Twitter, Instagram, Facebook und Co. teile, war auch diese Bedingung kein Problem.

Das Online-Formular war schnell ausgefüllt. Etwa eine Woche später meldete sich New Motion per Mail bei mir, um mehr über mich und meine E-Auto-Erfahrungen zu erfahren. Diese galt es in einem einminütigen Video unterzubringen. Für mich als Nicht-YouTuber bereits die erste Herausforderung :D.

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Die ungefähre Route von Sindelfingen zur Insel Rømø in Dänemark beträgt netto etwas über 900 km. Mit den zusätzlichen Umwegen zu den Ladepunkten und den Zwischenetappen wurden daraus am Ende etwas über 1.000 km. (Karte: © Google Maps)

Anscheined war das Video aber überzeugend und so wurde ich für den Electrip nominiert. In dessen Folge plante ich für Anfang September einen Roadtrip nach Dänemark. Das Ziel war die Insel Rømø in Dänemark. Warum ausgerechnet dorthin? Nun, das weiß ich selber nicht mehr so genau. Vielleicht weil es die nächstgelegene dänische Insel war. Und in Dänemark war ich schon seit knapp 20 Jahren nicht mehr.

Letzendlich soll mit dem Great Electrip gezeigt werden, dass man mit Elektroautos auch problemlos größere Distanzen zurücklegen kann. Sicherlich ist der Elektrosmart mit bestenfalls 100 Kilometern Reichweite eines der ungeeignetsten Autos für so eine lange Tour. Aber genau diese Herausforderung reizte mich dabei besonders – nach dem Motto: Wenn man die 1.000 km mit dem E-Smart schafft, dann schafft man das auch mit jedem anderen Elektroauto.

Vorbereitung & Planung

Am ersten Tag wollten wir bis nach Hamburg kommen, was von Sindelfingen aus fast 700 Kilometer sind. Die Fahrzeit veranschlagte ich wie folgt: Circa eine Stunde fahren (mit ungefähr 100 km/h) und knapp 50 Minuten Laden. In Summe plante ich für die Strecke 12 bis 13 Stunden ein. Für die Reichweite rechnete ich mit bestenfalls 110 Kilometern, realistisch aber eher 100. Aus Fahrten nach München und in die Kölner Region wusste ich, dass nach spätestens zwei Schnellladevorgängen meine bereits etwas gealterte Batterie (5 Jahre und 60.000 km) sich ohne ein Balancing der Zellen (=angleichen der Zellspannungen, dauert mehrere Stunden) nicht mehr komplett voll laden ließ und so die Reichweite um weitere 5-7% geringer ausfallen würde.

Ein weiterer wichtiger Faktor für die Reichweite stellt die Topografie der Strecke dar. Trotz Rekuperation und Segelmodus verbraucht der Smart auf hügeligen Autobahnen im Schnitt ein bis zwei Kilowattstunden mehr als auf topfebenen Abschnitten.

Da sich die Reichweite nie zu hundert Prozent vorhersagen lässt, notierte ich mir vorab alle Lademöglichkeiten in sinnvollen Abständen, die ich entweder mit meinem NewMotion-Schlüsselanhänger bezahlen konnte oder die grundsätzlich kostenlos waren. Da NewMotion die Tour ja sponsorte, sollten für die gesamte Strecke keine Ladekosten anfallen.

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Das Höhenprofil der Strecke Sindelfingen – Hamburg zeigt deutlich, dass zwei Drittel der Strecke aus sehr hügeligem Terrain besteht. Dies machte sich bei der Reichweitenkalkulation deutlich bemerkbar. (Quelle: GoingElectric-Routenplaner)

Für die Planung nutzte ich den Routenplaner von GoingElectric und die Übersichtskarte von NewMotion, die es auch in der App gibt. Eine Kombination aus beiden Karten ist tatsächlich sinnvoll, da aus der NewMotion-Karte nicht immer die korrekte Ladeleistung hervorgeht und so manche Störungsmeldung nicht angezeigt wird. Die GoingElectric-Community ist – besonders bei stark frequentierten Ladesäulen an Autobahnen – deutlich verlässlicher. Und ebenfalls nicht zu vergessen: Kostenlose Ladesäulen, die nicht dem NewMotion-Verbund angehören (z.B. von E.ON), werden bei NewMotion nicht angezeigt.

Auf geht’s

Los ging es am Sonntag, den 02. September, um kurz nach 06:00 Uhr morgens bei feinstem Nieselwetter. Nicht gerade ideal, da es deshalb etwas frisch war und ich nicht zu viel Energie mit dem Heizen verschwenden wollte. Außerdem macht eine Fahrt bei Sonnenschein einfach mehr Spaß.

Nichtdestotrotz steuerten wir auf die Autobahn zu und unsere erste Raststätte „Jagsttal – Ost“ an. Nominal liegt diese Raststätte nur 89 Kilometer weit weg. Allerdings zeigten sich bereits auf diesem Stück die Tücken der Topografie, die sich beim vollbeladenen Smart deutlich stärker auswirkten, als erhofft. So wurde es bereits auf der ersten Etappe ziemlich knapp und die letzten fünf Kilometer fuhren wir maximal in LKW-Tempo bis zur Raststelle. Liegen bleiben ist natürlich keine Option und so passt man seine Geschwindigkeit der Reichweitenanzeige an.

Der erste Ladestopp

An der Raststätte stehen sogar zwei Ladesäulen, daher war die Gefahr gering, dass diese komplett belegt waren. Um die frühe Uhrzeit war sowieso wenig los und tatsächlich waren wir weit und breit der einzige PKW auf dem großen Raststättenparkplatz. Als kleiner Bonus war die Ladung hier sogar kostenlos, obwohl GoingElectric eigentlich was anderes sagte. Auch gut.

Erster Ladestopp
Erster Ladestopp am – ausnahmsweise kostenlosen – EnBW-Triple-Charger in Jagsttal Ost.

 

Nach gut 50 Minuten ging es weiter auf die zweite Etappe. Das nächste Ziel sollte der „Riedener Wald – Ost“ sein – ganze 94 Kilometer entfernt. Mit der Erfahrung der ersten Etappe erschien diese Distanz zunächst sehr ambitioniert, zumal sich das oben erwähnte Balancing-Problem bereits andeutete. Also ging es recht gemächlich weiter und die 100 km/h wurden nur selten überschritten, beispielsweise wenn das Autobahngefälle dies erlaubte.

Entsprechend enspannt entgegnet man Baustellen oder kleineren Staus. Die Geschwindigkeitsreduktion sorgt für ordentlich Zusatzreichweite, ohne dass man dabei ein Verkehrshindernis ist. Gerade auf den schmalen linken Spuren der Baustellenabschnitte fühlt sich der Smart mit seiner geringen Außenbreite besonders wohl.

Rekuperation – nicht zu unterschätzen!

Obwohl es Zwischendurch etwas knapp aussah, erreichten wir wie geplant die Ladesäule am Riedener Wald. Die Durchfahrt Würzburgs mit viel Rekuperationsanteil und niedrigen Geschwindigkeiten bescherte uns die Rest-Kilometer, die wir für das Erreichen dieser Raststätte benötigten.

Die Innogy-Ladesäule dort ließ sich übrigens nur per NewMotion-App freischalten. Dies ist tatsächlich immer wieder etwas spannend, da so hunderprozentig das Vertrauen in unsere Ladeinfrastruktur und den angeschlossenen Backends noch nicht vorhanden ist. Ich bevorzuge – wenn möglich – weiterhin die direkte Kommunikation per RFID-Schlüsselanhänger mit der Ladesäule. Nichtdestotrotz funktionierte der Zugriff und so stand dem Ladevorgang auch nichts im Wege.

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Innogy-Schnellladesäulen lassen sich häufig nur per App freischalten – wie hier am Riedener Wald Ost.

In der Zwischenzeit gönnten wir uns erst einmal einen Kaffee und wärmten uns in der Raststätte auf, da wir natürlich nur sehr sparsam (Sitz-)Heizung und Co. verwendet hatten.

Das mag für jeden Verbrennerfahrer (zu denen ich trotz allem ja auch noch gehöre) wie eine totale Dystopie klingen – aber hey, es geht hier schließlich um ein Experiment! Das Reisen mit einem Verbrenner ist mir schließlich auch mehr als hinreichend bekannt und ein Abenteuer findet man nun mal nicht im Bekannten!

Erste Routine stellt sich ein

Um uns ab sofort aber auch etwas mehr Entspannung zu gönnen, planten wir nun mit kürzeren Distanzen. Die nächste Station war der „Euro Rastpark Eichenzell“ in komfortablen 79 Kilometern Entfernung. Diesen Abschnitt konnten wir sehr entspannt absolvieren. Wirklich klasse an diesem Rastplatz ist die hohe Anzahl an Ladepunkten. Es gibt nicht weniger als vier Typ 2 und vier CCS Ladepunkte! Nur CHAdeMO-Nutzer müssen sich mit einem einzelnen Ladepunkt an einem Triple-Charger zufrieden geben. Trotzdem – das ist absolut vorbildlich.

Ein Deal für den Great Electrip war übrigens, dass man während der Fahrt gefilmt wird und auch selber die Aktivierung der Ladevorgänge filmen sollte, womit wir uns auch während der Ladeweile die Zeit vetrieben.

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Ein Traum: Am Euro Rastpark in Eichenzell stehen ganze 9 Ladepunkte zur Verfügung. So muss es sein!

In Zwischenzeit gesellte sich auch ein e-Golf-Fahrer zu der Ladesäulen-Armada. Er hätte diesen erst seit einer Woche, wäre super zufrieden und fährt heute das erste Mal seit der Abholung aus der Gläsernen Manufaktur eine längere Strecke. Etwas über 200 Kilometern sind bei moderater Geschwindigkeit (also vielleicht 120 km/h) kein Problem. Als Smart-Fahrer wird man da schon etwas neidisch. Zumal der e-Golf mit 40 kW per CCS laden kann, also die doppelte Ladegeschwindigkeit wie der Smart mit Schnelllader hat. Aber nun gut, preislich spielt der e-Golf auch in einer andere Liga – und mitentwickelt hatte ich die Batterie vom e-Golf ja schließlich auch nicht.

Halbzeit!

Nach diesem Ladestopp ging es weiter zum „Maxi Autohof Malsfeld„. Dort wartete ein weiterer Triple-Charger von Allego auf uns. Der 84 Kilometer lange Abschnitt verlief wieder sehr entspannt. So langsam hatte man sich einen passenden Fahrstil angewöhnt und die Reichweitenangst der ersten beiden Abschnitte ließ deutlich nach.

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Der einfachste Weg eine Ladesäule freizuschalten, ist meiner Meinung nach der Schlüsselanhänger (oder alternativ die Ladekarte) – zumindest solange Plug’n’Charge noch nicht flächendeckend verfügbar ist.

Dort angekommen befürchteten wir schon, dass die Ladesäule von einem Verbrenner zugeparkt sein würde, da hier ein Riesenbetrieb war. Doch tatsächlich wurde die entsprechende Parklücke brav freigelassen, sodass wir auch hier problemlos per NewMotion-Schlüsselanhänger laden konnten. Probleme, über die Tesla-Fahrer nur schmunzeln können. Am hiesigen Supercharger stehen schließlich gleich acht der schnellen Tesla-Ladesäulen zur Verfügung. Und das Freischalten und das Thema Abrechnung hat Tesla bekanntlich vorzüglich gelöst.

Damit hatten wir dann auch die Hälfte der Tagesstrecke geschafft! Die Uhr zeigte inzwischen drei Viertel Eins (=12:45). Wir waren also schon über sechseinhalb Stunden unterwegs und hatten in dieser Zeit um die 350 Kilometer zurückgelegt. Die effektive Reisegeschwindigkeit inkl. Ladestopps lag demnach bis dato bei 50 bis 55 km/h. Auch hier gilt: siehe oben!

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Viel Betrieb am Maxi Autohof Malsfeld. Der Allego-Triple-Charger ist aber zum Glück frei.

Erstes Zwischenfazit

Nach der anfänglichem Überraschung über die tatsächlich erzielbare Reichweite auf den hügeligen Autobahnabschnitten in Baden-Württemberg und Bayern fanden wir einen Modus, der eine entspannte Weiterreise ermöglichte. Erstaunlich ist tatsächlich auch, wie entspannt man als Okkupierer der rechten Spur unterwegs ist. Man sieht viel von der Landschaft und von der immanenten Drängelei auf der linken Spur bekommt man nichts mit. Ebenfalls wichtig: Das Laden funktionierte überall problemlos!

Weiter geht’s in ein paar Tagen mit dem zweiten Teil dieser Serie.

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