Günstig Strom laden – Teil 3

Diese Tage hat nun auch der dritte große Ladestromanbieter, die Telekom, ihre finalen Preise kommuniziert – und wartet mit einigen Überraschungen auf.

Der äußerst günstige Minutentarif von Telekom Ladestrom (2 ct/min AC- und 4 ct/min DC-Laden) endet am 31.03.2019. Ab April ändert sich dann nicht nur das Tarifmodell, sondern auch der Markenname. Aus Telekom Ladestrom wird GET CHARGE.

Als kleines Bonbon vor dem Wechsel darf man dafür am 01.04. und 02.04. kostenlos mit Telekom Ladestrom laden.

Anstelle der anfänglich kommunizierten Verdopplung der Minutenpreise schwenkt GET CHARGE aus rechtlichen Gründen ab April auf eine zeitunabhängige Abrechnung nach Kilowattstunden um. Damit macht es GET CHARGE dem Tarifmodell von Maingau Energie und EnBW grundsätzlich gleich. Der Teufel steckt allerdings im Detail.

Zur Erinnerung: Bei der Maingau Energie wird nach zwei Stunden AC-Laden und nach einer Stunde DC-Laden eine zeitabhängige Gebühr in Höhe von saftigen 10 Cent pro Minute fällig. Außerdem ist die maximale Ladestrommenge pro Monat auf 300 kWh gedeckelt.

Bei EnBW wird über die App mobility+ grundsätzlich in Kilowattstunden ohne zeitliche Begrenzung und Deckelung abgerechnet. Der Viellader Tarif, der pro Monat 4,99 EUR kostet, spart 10 Cent je Kilowattstunde und rechnet sich daher bereits ab 50 kWh pro Monat.

Wie sieht das neue Tarifmodell aus?

Kommen wir nun zum Nachfolger von Telekom Ladestrom. GET CHARGE unterscheidet in bevorzugte Partner und sonstige Partner. Die Unterscheidung hängt vom jeweiligen Ladesäulenbetreiber ab. Zu den bevorzugten Partnern gehören Betreiber wie Allego, Fastned (ab Mitte April), Ionity und Innogy. Bei den sonstigen Partnern müssen sich Größen wie EnBW oder Ladenetz einreihen. Die Preisunterschiede zwischen den bevorzugten und den sonstigen Partnern sind dabei enorm:

GET_CHARGE_Tarif
Die Preise der bevorzugten Partner liegen auf dem Niveau des EnBW-Viellader Tarifs. Die Preise der sonstigen Partner sind mehr als doppelt so teuer. Das ist schlichtweg Wucher.

Immerhin wird man mit der neuen App, die ebenfalls ab April verfügbar sein soll, nach bevorzugten Partnern filtern können. Die sonstigen Partner kann man getrost ignorieren und können maximal als Notlösung fungieren, wenn sonst kein anderer Anbieter funktioniert.

Tarifübersicht_2019-03-23
Übersicht der aktuellen Preismodelle von Maingau Energie, EnBW und der Telekom.

Welchen Anbieter also wählen?

Wie so häufig im Leben: Es kommt drauf an. Wer auf der Durchreise ist und nur sporadisch Laden möchte, der ist mit dem Maingau-Tarif EinfachStromLaden gut bedient. Den Preis von 25 cent je kWh kann kein anderer Anbieter unterbieten.

Bei EinfachStromLaden muss man jedoch die Uhr im Auge behalten, da sonst eine hohe Strafgebühr fällig wird. Für das schnelle Zwischenladen unterwegs reicht die Zeit aber für gewöhnlich aus.

Für das spontane Laden ist der GET CHARGE Tarif äußerst attraktiv, da man hier die gleichen Preise zahlt wie bei EnBW im Viellader-Tarif. Allerdings: Es muss sich um eine bevorzugte Ladestelle handeln. Der GET CHARGE Tarif ist daher eine gute Ergänzung – ausschließlich darauf verlassen würde ich mich allerdings nicht.

Den einfachsten Ladetarif hat damit EnBW. Die Preise bei mobility+ für das spontane Laden sind zwar kein Schnäppchen, aber immer noch akzeptabel. Wer viel und regelmäßig an öffentlichen Ladesäulen lädt, für den lohnt sich der Viellader-Tarif. Dieser rechnet sich schließlich bereits bei einer Vollladung eines Hyundai Kona 64 kWh, eines Audi e-tron oder eines Nissan Leaf Plus.

Anzahl der Ladepunkte der drei Anbieter:

  • EnBW mobility+: 17.000 Ladepunkte in Deutschland / 25.000 in DACH-Region
  • GET CHARGE: 13.400 Ladepunkt in Deutschland
  • Maingau EinfachStromLaden: 9.000 Ladepunkte in Deutschland / 35.000 Ladepunkte in Europa

(Stand: 23.03.2019 – korrigiert am 25.03.2019)

Werfen wir einen Blick auf die Anzahl der Ladepunkte. Hier hat EnBW klar die Nase vorn. Bei GET CHARGE dürften in der Gesamtanzahl sowohl die bevorzugten als auch die sonstigen Partner enthalten sein. Eine Aufschlüsselung wäre hier hilfreich. Der Maingau-Tarif hat den Vorteil, dass dieser auch an vielen Ladepunkten innerhalb Europas gilt.

Hier habe ich noch einmal die effektive Kilowattstundenpreise, abhängig von der Ladezeit, aufgelistet. So große (zeitliche) Unterschiede, wie im ersten Teil dieser Serie, sind allerdings nicht mehr vorhanden:

Günstig_laden_05h_190323

Günstig_laden_10h_190323

Günstig_laden_2h_190323

Günstig_laden_3h_190323

Fazit

Wenig überraschend wechselt die Telekom ebenfalls auf eine kilowattstundenbasierte Abrechnung, was grundsätzlich sehr fair ist. Man bezahlt das, was man auch tatsächlich lädt. Die Unterteilung in bevorzugte und sonstige Partner sorgt allerdings für Verwirrung, weshalb man vor jedem Ladevorgang prüfen sollte, zu welcher Kategorie der Ladepunkt gehört. Das macht es unnötige kompliziert, zumal der Preis für sonstige Partner nicht nur leicht erhöht, sondern schlichtweg unverschämt ist. Hier darf die Telekom gerne nachbessern.

Unterm Strich bleibt GET CHARGE eine nette Ergänzung. Wer Ladesäulen von bevorzugten Partnern in seiner Region hat, profitiert von einem fairen Preis – ohne die zeitlichen Einschränkungen von EinfachStromLaden hinnehmen zu müssen.

Weiterführende Infos:

Die Berechnungsexcel könnt ihr wie immer hier herunterladen: GenerationStrom_Günstig_laden_2019-03-23

Links zu den Anbietern:

Blog-Artikel auf Generation Strom:

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