Zoom Sharing im Test: Mit der Elektro-Schwalbe durch Stuttgart

Die jüngste Bereicherung der baden-württembergischen Landeshauptstadt im Bereich der geteilten und umweltfreundlichen Mobilität ist Zoom Sharing. Wie auch Wettbewerber emmy setzt das vom E-Scooter-Hersteller Govecs betriebene Sharing-Angebot auf die E-Schwalbe aus dem eigenen Hause und bietet diese im „free floating“-Prinzip an. Ich habe mir den Anbieter einmal genauer angeschaut und eine Runde durch Stuttgart gedreht.

Das Wichtigste in Kürze:

Registrierung:

  • Lade hier die App herunter: Android oder Apple
  • Führe die Registrierungsschritte durch.
  • Hinterlege eine Kreditkarte als Bezahlmethode
  • Lass deinen Führerschein (Klasse B/3) überprüfen (per Smartphone-Kamera in kurzer Zeit möglich).
  • Die Registrierung kostet 10 EUR. Du erhältst dafür ein Startguthaben in Höhe von 7,20 EUR gutgeschrieben, was 30 Minuten Fahrzeit entspricht.
  • Mit dem Promotioncode Z7GL-K2KD unterstützt du zusätzlich diesen Blog.

E-Motorroller mieten und starten:

  • Einen Roller per App suchen und per App entsperren. Es öffnet sich das Topcase mit den Helmen.
  • Setze einen Helm auf. Der Zündschlüssel befindet sich ebenfalls im Topcase.
  • Stecke den Zündschlüssel und drehe ihn auf Anschlag nach rechts.
  • Der rote Schalter rechts am Lenker muss nach unten gedrückt werden („On“).
  • Bocke den Roller ab, in dem du diesen nach vorne drückst. Achtung, die E-Schwalbe ist nicht leicht!
  • Ziehe die Bremsen und lege mit dem Hebel „Down“ eine Fahrstufe ein.
  • Mit dem rechten Griff gibst du Strom und es kann losgehen!

Preis:

  • Registrierung: einmalig 10 EUR inkl. 7,20 EUR Startguthaben.
  • Nutzungsgebühr: Jede Minute kostet 24 Cent.
Zoom Sharing in Stuttgart mit Govecs E-Schwalbe
Zoom Sharing ist seit 08. Mai 2020 in Stuttgart mit rund 200 weißen E-Schwalben vertreten.

Mit der E-Schwalbe durch Stuttgart

Nach Stella Sharing ist Zoom Sharing nun der zweite Anbieter von E-Motorrollern, die im Free-Floating-Prinzip in Stuttgart angeboten werden. Der Vorteil des Free-Floatings: Der Roller darf überall im Geschäftsgebiet angemietet und abgestellt werden. Parkgebühren fallen nicht an und auch eine Rückkehr zum Startpunkt kann entfallen.

Zoom setzt bei den Rollern auf die beliebte (und teure) Elektro-Schwalbe, die designtechnisch an den bekannten Roller aus DDR-Produktion angelehnt ist. Das ist nicht weiter verwunderlich, schließlich betreibt Govecs, der Hersteller der E-Schwalbe, auch Zoom Sharing. Als Partner hat sich der Roller-Hersteller das Stuttgarter Bauunternehmen Wolff & Müller mit ins Boot geholt.

Insgesamt stehen rund 200 E-Schwalben  im Stuttgarter Innenstadtgebiet bereit. Per App können die kultigen Retro-Roller aufgespürt werden, die mit ihrer weißen Lackierung kaum auffallen.

Auf geht’s mit vier Kilowatt

Nach der Startprozedur (siehe oben unter „Das Wichtigste in Kürze“) kann der Spaß losgehen. Die E-Schwalbe, die ich bereits in München testen konnte, überzeugt einmal mehr mit ihrem 4 kW-starken Bosch-Elektromotor. Bereits im „Go“-Modus, dem niedrigsten der drei Fahrmodi, geht es schnell voran, auch wenn hier nur 2,2 kW zur Verfügung stehen.

Der Roller beschleunigt zügig auf die (gedrosselte) Endgeschwindigkeit von 45 km/h, wobei laut Tacho bis zu 48 km/h möglich sind. Damit schwimmt man locker und entspannt im Verkehr mit und ist häufig sogar schneller als die vielen Autos, die sich durch den dichten Stuttgarter Innenstadtverkehr quälen. Da die erlaubte Geschwindigkeit in vielen Bereichen der Stadt eh auf 30 bis 40 km/h begrenzt ist, kommt man mit den 45 km/h sehr gut zurecht und stellt definitiv kein Verkehrshindernis dar. In den engen Straßen im Wohngebiet und bei der Parkplatzsuche ist man mit dem schlanken Rollern den größeren Verkehrsteilnehmern sowieso haushoch überlegen.

Zoom Sharing in Stuttgart mit Govecs E-Schwalbe
Die Elektroroller bieten viel Fahrspaß, vor allem bei sonnigem Wetter.

Voller Fahrspaß im „Boost“

In den beiden Fahrmodi „Cruise“ und „Boost“ steht die volle Antriebsleistung auf Abruf bereit. Dann geht es richtig zügig voran und es kommt eine ordentliche Portion Fahrspaß hinzu, insbesondere im „Boost“. Natürlich geht das etwas zu Lasten der Reichweite. Rund 100 Kilometer soll die Schwalbe im Stadtverkehr schaffen. Ein Wert, der nicht unrealistisch erscheint. Im Boost sind es vielleicht rund 20 Kilometer weniger.

Die Schwalbe liegt sehr komfortabel und dank der großen Reifen auch sehr sicher auf der Straße. Die Bremsen mit ABS vermitteln ein gutes Bremsgefühl und man gewöhnt sich schnell an das gelungene Fahrverhalten des Rollers. Mit 135 kg ist der Roller allerdings auch kein Leichtgewicht, was man besonders beim Stopp oder beim Auf- und Abbocken spürt.

Zoom Sharing E-Schwalbe mit Handyhalterung
Sehr praktisch ist die stabile und robuste Handyhalterung, die das Navigieren mit dem Smartphone deutlich erleichtert.

Sehr lobenswert ist die praktische und robuste Handyhalterung, die Zoom den Schwalben spendiert hat. Ein zweiter getesteter Roller verfügte leider nicht über das nützliche Zubehör. Ein Feature, auf das man vor der Anmietung achten sollte, erleichtert es die Navigation mit dem Smartphone doch enorm und steigert somit die Verkehrssicherheit.

Weniger gut gelungen ist das altbacken wirkende Schwarz-Weiß-Display der Schwalbe, das an die Grafik des ehrwürdigen GameBoy Pocket erinnert. Da gibt es längst bessere Displays bei anderen Rollerherstellern, meist aus Fernost. Übrigens: Govecs als deutsches Unternehmen lässt als einer der wenigen Hersteller ihre Roller in Europa, genauer in Polen, fertigen.

Unterwegs zu zweit

Alle Schwalben sind mit zwei Helmen ausgestattet, weshalb einer Tour zu zweit nichts im Wege steht. Die Sitzfläche bietet genug Platz für zwei Erwachsene und so kann man sich auch zu zweit durch den Verkehr wuseln, was das Fahren im Vergleich zu den Elektro-Tretrollern von Voi, Lime & Co. zu einem deutlich günstigeren Vergnügen macht. Schließlich kann man sich die Fahrtkosten teilen, anstatt diese zu verdoppeln. Die Elektro-Tretroller dürfen bekanntermaßen nur alleine gefahren werden.

Auch zu zweit bleibt der Roller agil, spritzig und sicher. Natürlich muss man sich zunächst an das höhere Gewicht beim Abstützen während des Haltestopps oder bei der Kurvenfahrt gewöhnen. Dennoch ist man auch mit zwei Personen sehr schnell unterwegs und auch bergauf schafft die Schwalbe die versprochene Höchstgeschwindigkeit problemlos.

Stella oder Zoom: Welchen nehmen?

Schaut man sich die nackten Zahlen an (siehe Tabelle unten) wird schnell deutlich, welches Angebot das bessere ist. Die Fahrtpreise sind mit 24 Cent pro Minute identisch, allerdings ist die Registrierungsgebühr mit effektiv 2,80 EUR bei Zoom deutlich niedriger als bei Stella (effektiv 15,40 EUR). Für die Differenz kann man bereits über 50 Minuten Roller fahren.

E-Scooter von Zoom und Stella in Stuttgart
Mit Zoom und Stella tummeln sich nun zwei Anbieter für die geteilte Nutzung von Elektro-Motorrollern in Stuttgart.
Zoom Stella
Registrierung: 10 € 19 €
Freiminuten: 30 15
Minutenpreis: 24 ct 24 ct
Minutenpakete: nein ja
Anzahl Roller: 200 200
Rollertyp: Govecs E-Schwalbe Emco Nova

Vielfahrer können bei Stella mit den Minutenpaketen sparen und Ökostrom-Kunden der Stadtwerke Stuttgart (die Stella betreiben) erhalten pro Monat 20 Freiminuten extra.

Die Verfügbarkeit der Roller ist mit jeweils 200 Fahrzeugen identisch. Während Stella bei seinen Rollern auf den Retro-Roller von Emco mit 3 kW Leistung setzt, gibt es bei Zoom die 4 kW starke Schwalbe, die laut ADAC zu den derzeit besten Rollern auf dem Markt gehört und ein echter Premium-Roller ist. Konkurrenz belebt bekanntlich das Geschäft, daher wird es spannend zu sehen, wie Stella auf den neuen Wettbewerber reagieren wird. Für Ökostrom-Kunden der Stadtwerke Stuttgart und extreme Vielfahrer ist Stella das günstigere Angebote. Für Einsteiger und Wenigfahrer spricht der günstigere Einstieg ganz klar für Zoom.

Korrektur – 03.06.2020:

In einer früheren Version hieß es, dass Stella nur 75 Roller einsetzt. Tatsächlich sind es seit Sommer 2019 bereits 200 Roller.

Zoom Sharing Logo
Mit Zoom Sharing wird das Angebot an moderner und urbaner Mobilität in Stuttgart deutlich bereichert.

Begriffsdefinition: E-Scooter und E-Scooter

Elektroroller und Elektroscooter können zwei verschiede Fahrzeuge sein: Das eine Mal redet man über elektrifizierte Tretroller, im anderen Fall von elektrischen Kleinkrafträdern. Beide werden als E-Scooter oder Elektroroller bezeichnet. Was von beiden genau gemeint ist, wird oft erst aus dem Kontext ersichtlich. Daher werde ich versuchen, die beiden Fahrzeuge nach E-Tretrollern und E-Motorrollern zu unterscheiden, zumindest, solange nicht glasklar ist, worum es geht.

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von Anders Noren.

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