Leserbrief an die AUTO ZEITUNG

In der Ausgabe 3 vom 10.01.2018 schreibt die AUTO ZEITUNG über verschiedene Themen zur Elektromobilität. Allerdings musste ich feststellen, dass sich hier diverse Fehler eingeschlichen hatten oder mit zweifelhaften Annahmen gerechnet wurde.

Unter anderem werden in der genannten Ausgabe die verschiedenen Antriebsvarianten (Benziner, Diesel, Erdgas, Plug-in-Hybrid, Elektro) vom VW Golf untereinander hinsichtlich Wirtschaftlichkeit verglichen. Dabei wurden die Unterhaltskosten über vier Jahre bei 10.000 oder 20.000 Kilometern Fahrleistung pro Jahr und mit oder ohne Wertverlust ermittelt. Der GTE (PHEV) und der e-Golf (BEV) schneiden hier am schlechtesten ab.

In einem weiteren Artikel wurden Kia Niro, Hyundai Ioniq und Toyota Prius jeweils als HEV- und PHEV-Variante untereinander verglichen. Auch hier haben sich einige Fehler eingeschlichen.

Die AUTO ZEITUNG machte ich daraufhin mit folgendem Leserbrief auf die Fehler aufmerksam:

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich bin kein regelmäßiger Leser Ihrer Zeitschrift, habe mich dennoch über die vielfältigen Inhalte zum Thema Elektromobilität in Ihrer Ausgabe Nr. 3 vom 10.01.2018 gefreut. Sehr interessant fand ich auch den Vergleich der Antriebe im VW Golf. Allerdings sind mir dabei einige Fehler aufgefallen. Unter anderem wurden die falschen Kaufprämien für den e-Golf und den GTE angesetzt.

Für Elektroautos gewährt Volkswagen 2.000 Euro auf den Netto-Listenpreis (=2.380 Euro Brutto) und 2.000 Euro zusätzlich, die von der BAFA zur Verfügung gestellt werden. Macht in Summe 4.380 Euro. Für PHEV gilt eine ähnliche Rechnung: 1.500 Euro von Volkswagen auf den Nettopreis (=1.785 Euro Brutto) und 1.500 Euro von der BAFA, was 3.285 Euro ergibt. Sie hatten nur 3.000 Euro für den e-Golf und nur 2.000 Euro für den GTE angesetzt. Die Umweltprämie gilt übrigens bis zum 30.06.2019.

Einen weiteren Punkt betrifft die angenommenen Kraftstoffkosten. Bei Verbrennern ist der Kraftstoffverbrauch jahreszeitunabhängig relativ konstant. Bei Elektroautos steigt der Verbrauch im Winter aufgrund der kalten Batterien und der benötigten Heizleistung an – wie sie auch entsprechend gemessen haben. Allerdings erscheint mit der Winterverbrauch von 26,5 kWh/100 km als deutlich zu hoch. Hier wurde offenbar sehr zügig gefahren. Aber selbst unter der Annahme, dass dieser Verbrauch stimmt, so ist es schlichtweg falsch, diesen Verbrauch für die komplette Haltedauer hochzurechnen. Ein Blick auf Spritmonitor verrät, dass der Verbrauch sich eher bei 16 bis 18 kWh einpendelt. Aber selbst pessimistisch und mit Ladeverlusten gerechnet, wird dieser bei einem e-Golf im Jahresmittel kaum die 20 kWh/100 km überschreiten, welche ich in meiner Kalkulation angesetzt habe.

Darüber hinaus erwähnen Sie den hohen Wertverlust von Elektrofahrzeugen. Fakt ist, dass aufgrund der geringen Verfügbarkeit Elektroautos einen sehr geringen Wertverlust aufweisen. Vor allem der in Deutschland sehr beliebte VW e-Golf ist als junger Gebrauchtwagen mit der großen 35,8 kWh Batterie kaum unter 35.000 Euro zu bekommen – was quasi dem Neupreis entspricht. Damit sind die 5.000 Euro jährlicher Wertverlust weiter zu hinterfragen. Aber selbst wenn ich diesen so stehen lasse, kommt am Ende heraus, dass der e-Golf unterm Strich das wirtschaftlichste Fahrzeug ist:

Kalkulation_Vergleich_Antriebe_Golf
Bei der Ermittlung der Unterhaltskosten kamen Golf GTE und e-Golf nicht gut davon. Eine genauere Betrachtung der Kosten zeigt jedoch, dass unterm Strich der e-Golf am günstigsten ist. Quelle: Auto Zeitung (03/2018), korrigiert durch Generation Strom

Damit erzeugt ihr Antriebsvergleich leider einen völlig falschen Eindruck vom e-Golf und auch vom GTE. Fairerweise hätte der GTE auch eher mit GTI und GTD verglichen werden müssen.

Den Vergleich der HEV- und PHEV-Varianten von Niro, Ioniq und Prius fand ich ebenfalls sehr interessant. Hier ist mir allerdings aufgefallen, dass Sie die Ladezeiten für die PHEVs falsch angegeben haben und auch nur 2.000 Euro Umweltbonus anstatt 3.000 Euro angesetzt haben.

Grundsätzlich gilt: Beim Laden an einer Haushaltssteckdose (Schuko) muss die Ladeleistung auf maximal 2,3 kW (10A, 230V) begrenzt werden. Bei den PHEV-Batterien, die allesamt ca. 9 kWh groß sind, ergeben sich hiermit ungefähr Ladezeiten von ca. 4 Stunden (9kWh/2,3kW=3,9 h). Laut Wikipedia sind es beim Niro PHEV 3h und 45 min. Verfügt der Kunde jedoch über eine Wallbox oder eine Ladesäule-/station mit 3,7 kW (16A, 230V), reduziert sich die Ladezeit entsprechend auf ca. 2,5 h (9kWh/3,7kWh=2,4 h). 2 Stunden und 15 Minuten gibt Kia hierfür an. Diese Werte sind übrigens auf dem Foto vom Navi des Ioniq PHEV ebenfalls zu sehen.  Die genannten „zweieinhalb Stunden […] an einer herkömmlichen 230V-Steckdose“ sind somit falsch. Es wird hierfür definitiv eine der genannten Lademöglichen (Wallbox, Ladesäule, etc.) benötigt.

Beim Golf GTE haben Sie korrekte Werte übernommen, wobei grundsätzlich erst bei einer Ladeleistung von >22kW von „Schnellladung“ gesprochen werden sollte, wie sie bspw. der e-Golf mit der Gleichstromladung per CCS anbietet.

Wie gesagt, die Themenauswahl fand ich sehr interessant. Bei Punkten rund um die Elektromobilität erwarte ich jedoch korrekte Angaben (Preise, Ladezeiten) und fairere Bewertungsmaßstäbe (Stichwort: Verbrauch des e-Golf).

Mit freundlichen Grüßen

Marcus Zacher

 

Eine Antwort erhielt ich seitens der AUTO ZEITUNG leider bis heute nicht, weshalb ich mich entschlossen habe, den Leserbrief auf diesem Wege zu veröffentlichen, um den angeblichen Kostennachteil des Elektrofahrzeugs zu korrigieren.

Zusatzinfo zum e-Golf-Verbrauch

Angesprochen auf den tatsächlichen Durchschnittsverbrauch eines e-Golfs, hat mir der langjährige e-Golf-Fahrer e-Golfer freundlicherweise folgende Statistik zur Verfügung gestellt, welche ebenfalls die Diskrepanz zwischen dem Testverbrauch der AUTO ZEITUNG und den tatsächlichen Alltagsverbräuchen verdeutlicht:

Statistik eGolfer
Über eine Distanz von fast 4.400 Kilometern lag der Durchschnittsverbrauch von eGolfer bei 16,1 kWh/100km.

Beitragsfoto: © Volkswagen AG

Ein Kommentar zu „Leserbrief an die AUTO ZEITUNG

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  1. Hallo Herr Zacher, Ihr Ausführungen halte ich für nachvollziehbar und sicher, die Innovation E-Mobilität muss weiter voran kommen. Aber ich möchte trotzdem bezweifeln, dass dies voll umfänglich in allen Bereichen der Individualmobilität gelingt. Letztendlich fehlen dafür die Rohstoffe, oder eben weitere Innovationen bezüglich Batterie oder Speichertechnik.Heute sind Litium, Koltan etc. nur begrenzt verfügbar, oder stammen aus eher fragwürdigen Quellen bzw. Umständen. Ebenso ist deren Produktion auch nicht ohne. Das sollte man schon hinterfragen.

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