Die smart Vehicle Homepage

Bereits zur Einführung des smart fortwo electric drive der Baureihe 451 im Jahr 2012 verfügte dieser über ein cooles Feature, welches auch sechs Jahre später nicht selbstverständlich ist: eine Onlineanbindung über die sogenannte Vehicle Homepage – eine Art App-Ersatz. Wie man Zugriff auf die Vehicle Homepage seines Fahrzeugs erhält und welche Funktionen diese bietet, möchte ich in diesem Artikel vorstellen.

Die Vehicle Homepage (kurz: VHP) wurde exklusiv für den Elektro-Smart der dritten Generation eingeführt. Die Verbrennermodelle dieser Baureihe verfügen nicht über die Möglichkeit, Fahrzeugdaten abzurufen. Erst mit dem Nachfolger der Baureihe 453 gibt es diese Möglichkeit über die Mercedes me App. Dies zeigt einmal mehr, dass Daimler bei der Entwicklung des E-Smart bereits an vieles gedacht hat. Die gleiche Unterstützung über mbrace gab es auch für die elektrische B-Klasse (W242), allerdings nur für amerikanische Kunden.

VHP_smart
Die smart Vehicle Homepage ist eigentlich keine App, sondern eine Browserseite, auf die man per Shortcut zugreifen kann.

Aber kommen wir zurück zum Elektro-Smart. Zunächst einmal ist es gar nicht so einfach, Zugriff auf die VHP seines smarts zu erhalten. Dazu muss nämlich das Fahrzeug über seine Fahrgestellnummer mit dem Kundenkonto des Fahrers verknüpft werden.

So gelangt man auf die Vehicle Homepage seines smarts

VHP_Login
Anmeldebildschirm der smart Vehicle Homepage

Die dazu erforderlichen Schritte möchte ich euch hier kurz vorstellen:

  1. Im Mercedes me Portal ein Konto erstellen und die E-Mail-Adresse und/oder die Mobilfunknummer verifizieren lassen (das geht über einen automatisch verschickten Bestätigungslink bzw. -code).
  2. Jetzt kann man sich über http://vh.smart.com/ mit den Anmeldedaten von Mercedes me in der VHP einloggen.
  3. Wenn man noch keinen E-Smart verknüpft hat, gibt es hier zunächst noch nichts zu sehen. Man wird jedoch zur Eingabe eines VVC (=Vehicle Verification Code) und seiner Fahrgestell- bzw. Fahrzeugidentifikationsnummer (=FIN) aufgefordert.
  4. Den VVC erhält man von einer Mercedes-Benz-Niederlassung, einer Mercedes-Benz-Werkstatt oder über einen smart Händler. Soviel zur Theorie – doch dazu später mehr. Bei seinem Mercedes- oder Smart-Händler muss man bspw. über den Fahrzeugschein nachweisen, dass man Besitzer des Fahrzeugs ist. Hierzu kann man den Fahrzeugschein auch einscannen und per Mail an den entsprechenden Mitarbeiter der Werkstatt bzw. des Händlers schicken. Man muss also nicht zwingend vor Ort sein. Zusätzlich wird die Fahrgestellnummer, das Kennzeichen und der Benutzername (die E-Mail-Adresse oder die Mobilfunknummer) der VHP benötigt. Zur Erinnerung: Der VHP-Benutzername ist der gleiche mit der man sich im Mercedes me Portal registriert hat.
  5. Der Mercedes-Mitarbeiter kann nun den Benutzer mit dem Fahrzeug verknüpfen. Zur Bestätigung erhält man einen Wisch, auf dem eine Menge Infos stehen, unter anderem der zehnstellige VVC. Zusätzlich ist hier auch vermerkt, dass der Service maximal drei Jahre nach Erstzulassung kostenlos ist. Bei mir wäre also eigentlich 2016 Schluss mit lustig gewesen, aber Daimler stellt die Nutzung der VHP gnädigerweise auch weiterhin kostenlos zur Verfügung.
  6. Zurück zur VHP: Hier gibt man entsprechend der Aufforderung die FIN und den VVC ein und – voilà – die Funktionen der VHP stehen dem Nutzer zur Verfügung.

Alles in allem klingt das Vorgehen aufwendiger, als es ist. Im Prinzip kann alles schnell erledigt werden, wenn dem nicht der 4. Punkt im Wege stünde. Es ist nämlich gar nicht so einfach einen Mercedes- oder smart-Mitarbeiter ausfindig zu machen, der weiß, wie man die Fahrzeuge mit den Benutzern verknüpfen kann.

VHP_Anmelden
Für den Login benötigt man die Anmeldedaten seines „Mercedes Me“-Kontos

Neuere Fahrzeuge unterstützen Mercedes Me – hier gibt es normalerweise keine Probleme. Die Verknüpfüung für den smart der Baureihe 451 erfolgt aber über ein anderes Tool. Dieses scheint kaum jemand zu kennen.

Unter anderem fragte ich direkt beim Kauf des Fahrzeugs in der Mercedes-Benz Niederlassung in Offenbach nach der Möglichkeit, das Fahrzeug zu verknüpfen. Leider kannte sich hier niemand aus. Auch Anrufe und Besuche bei smart in Leonberg oder der Mercedes-Benz Niederlassung in Stuttgart waren zunächst nicht von Erfolg gekrönt. Irgendwie erhielt ich dann doch den Namen eines Mitarbeiters, der sich auskannte und mir schnell und unkompliziert weiterhelfen konnte, sodass ich den VVC erhielt.

Das Problem ist sicher die geringe Verbreitung des Elektrosmarts der dritten Generation. Es wurden insgesamt knapp 13.000 Fahrzeuge produziert. Wegen der paar Elektrosmarts, die in Deutschland verkauft wurden, wurde sicherlich keine großangelegte Schulungsaktion im Daimler-Vertriebsnetz gestartet. So gehört etwas Glück dazu, um an einen Mitarbeiter zu gelangen, der mit diesem „historischen“ Fahrzeug umzugehen weiß.

Das sind die Funktionen der Vehicle Homepage

Kommen wir nun zu den eigentlichen Funktionen der Vehicle Homepage. Für eine optimale Darstellung wird die Nutzung des Google Chrome Browsers empfohlen – was ich an dieser Stelle ebenfalls tue. Mit dem Firefox sind Darstellung und Funktionalität stark eingeschränkt.

Egal ob auf dem Handy, dem Notebook oder dem Tablet – die VHP sieht immer gleich aus und wird auch auf dem Notebook nur als kleines Fenster dargestellt.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Auf der Startseite bzw. im Home-Menü können bis zu sechs Favoriten-Funktionen angeordnet werden. Klickt man auf das Plus, so ergeben sich hier folgende zusätzliche Optionen:

VHP_Apps
Favoriten-Auswahl bei der VHP

Gehen wir einmal die wichtigsten Funktionen durch. Beginnen wir mit dem Menü „Ladezustand“, auf dem man nicht nur – wer hätte es gedacht – den Ladezustand einsehen kann, sondern auch den Ladestatus. Wird das Fahrzeug geladen, wird dies an einer kleinen Animation mit dem Ladesäulensymbol dargestellt. Wird nicht geladen oder ist das Fahrzeug voll, verschwinden Ladesäule und Ladekabel.

Darunter wird die prognostizierte Reichweite angegeben. Der grüne Balken in dem Straßensymbol steigt analog zur Reichweite. Zur Berechnung der Reichweite wird auf den Verbrauch der letzten Fahrt zurückgegriffen, sodass bei 100% Ladezustand die Reichweite durchaus mal bei 80 oder bei 100 Kilometern liegen kann.

Zusätzlich kann man einstellen, dass man benachrichtigt wird, sobald ein bestimmter Ladezustand erreicht wird oder das Fahrzeug voll geladen ist. Ein sehr praktische Funktion beim Laden an Ladesäulen mit zeitbasierter Abrechnung.

Darunter befindet sich noch eine Übersicht, ob das zeitgesteuert Laden aktiv ist oder nicht. Im Fahrzeug und in der VHP lässt sich eine Abfahrtszeit einstellen, auf die dann geladen wird. Diese Funktion ist eigentlich nur für die Vorklimatisierung zur Abfahrtszeit relevant.

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Im Menü „Reichweite“ wird eine Karte (Range on Map), dargestellt, auf der man eigentlich sehen sollte, wie weit man mit der aktuellen Ladung maximal kommen kann ohne nachzuladen. Leider wird diese Funktion nicht mehr unterstützt und es wird nur eine Karte ohne weitere Infos angezeigt.

Auch die Routenführung, die über diese Seite gestartet werden kann, wird nicht mehr unterstützt, sodass es nur zu einer Fehlermeldung kommt. Schade eigentlich, da an dieser ursprünglich sogar das Höhenprofil der Route dargestellt werden sollte.

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Die Routenführung und die „Range-on-Map“-Funktion werden nicht mehr unterstützt.

Auch nicht mehr unterstützt wird die Funktion Fahrzeugsuche, bei dem ein Parktimer eingestellt werden kann, der einen rechtzeitig informieren soll, wenn die Parkzeit abläuft.

Kommen wir aber mal wieder zu einer Funktion, die funktioniert: die Eco-Anzeige. Hier wird der Fahrstil des Fahrers bewertet. Wer sparsam unterwegs ist, sanft beschleunigt, gleichmäßig fährt oder es einfach oft rollen lässt, kann in der entsprechenden Kategorie 100% errreichen. Den Gesamtwert kann man auch während der Fahrt im Kombiinstrument ablesen – aber eben ohne Aufschlüsselung. Besonders schwierig ist die 100% beim Beschleunigen zu erreichen, da es doch zu verlockend ist, diese an der Ampel voll auszukosten…

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In der Eco-Anzeige wird die Bewertung für den Fahrstil noch einmal aufgeschlüsselt. Zusätzlich kann man hier den aktuellen Kilometerstand ablesen.

Eine weitere nützliche Funktion ist die Klimatisierung zur Abfahrtszeit. Diese lässt sich allerdings nur noch über das Kombiinstrument einstellen. Zur eingestellten Zeit wird das Fahrzeug auf die Temperatur vorgeheizt bzw. heruntergekühlt, die man an der Klimaanlage eingestellt hat. Hierfür muss sich das Fahrzeug allerdings an der Steckdose befinden, da sonst die Energie der Batterie entnommen werden müsste. Die Einstellung über die VHP wird zwar noch angezeigt, aber ebenfalls nicht mehr unterstützt. Zumindest hat es bei diversen Versuchen über die VHP nie geklappt, dass die Klimatisierung startet. Schade eigentlich, da dies ein sehr praktisches Feature ist. Daher muss die Zeit immer über das Kombiinstrument eingestellt werden.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Ebenfalls interessant ist das Menü „Ladeprofil“. Anhand der Grafik kann man nachvollziehen, welcher Ladezustand wann erreicht wird. Wie man hier auch schön sehen kann, flacht die Kurve mit steigenden Ladezustand (auch: State of Charge – SOC) ab, was bedeutet, dass der Ladestrom reduziert wird. Warum dies so ist, habe ich in meinem Beitrag „Das Bierglasmodell“ erläutert.

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Beim Ladeprofil lässt sich ablesen, welcher Ladezustand zu welchem Zeitpunkt erreicht wird.

Fazit

Die Vehicle Homepage ist ein nettes Feature für den smart electric drive. Allerdings wird deutlich, dass der Fokus bei Daimler inzwischen auf der Mercedes Me App liegt, welche deutlich mehr Funktionen bietet und auch alle neuen Smarts unterstützt. Somit verbleiben als wirklich sinnvolle Funktionen nur die Eco-Anzeige, das Ladeprofil, der Kilometerstand sowie die Ansicht und die Meldung des Ladezustands.

Ob man für diese Funktionen den Aufwand betreibt sein Fahrzeug mit seinem Konto zu verknüpfen, muss jeder selbst für sich entscheiden. Letztendlich steht und fällt das Vorhaben damit, ob man einen geeigneten Ansprechpartner im Daimler Vertriebsnetz findet.

4 Kommentare zu „Die smart Vehicle Homepage

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  1. Für den aktuellen Smart ed kann ich die Probleme bei der Vorklimatisierung bestätigen; die Hotline der „smart control“-app (dem Smart-Ableger von mercedes me) hat mir gesagt, daß schon eine ganze Reihe von Fahrern von diesem Problem berichtet haben. Aber wie es halt ist – je mehr User ein Ticket aufmachen, desto größer wird der Druck, den Bug zu fixen.

    Interessant ist in diesem Zusammenhang vielleicht auch, daß die app manchmal länger als 24h den Status des Fahrzeugs NICHT aktualisiert – trotz Stadtfahrt und Ladevorgang. Das Problem ist aber nicht eindeutig reproduzierbar.

    Wenn es dann doch mal klappt, ist die Vorklimatisierung große klasse – und klappt auch dann, wenn man NICHT an der Steckdose hängt. Macht ja auch Sinn. Ich parke nachts an der Straße, ich würde mich schön ärgern, wenn ich jeden Morgen im Winter kratzen müßte.

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  2. Ich fand die auch toll, aber leider hat der Hersteller entschieden, die Funktion unter Hinweis auf die AGB ersatzlos zu streichen. Die Autos sind ja schon verkauft, warum sollte man also jetzt noch Geld in Kundenzufriedenheit investieren?

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