Ein Monat mit dem Elektro-Smart – Teil 9

Dies ist leider bereits der letzte Teil der Gastserie. Nach einem knappen Monat musste ich den Smart Electric Drive leider schon wieder abgeben. Hier lest ihr also nun, ob mir der Abschied schwer gefallen ist, ob mich die Probephase überzeugt hat und wie es möglicherweise weiter geht.

Tag 25:

Die letzte Fahrt mit dem Smartie. Mensch, das war schon eine schöne Zeit. Ich möchte ihn eigentlich gar nicht wieder abgeben. Natürlich gibt es Hindernisse bei der Elektromobilität und für Leute, die sich einfach nur ins Auto setzen und fahren wollen, ohne sich über irgendetwas Gedanken zu machen, ist so ein Elektro-Kleinwagen nicht zu empfehlen. Genau so wenig für jemanden, der jeden Tag Strecken von über 100km zurücklegt. Aber für jemanden, der Spaß daran hat, etwas „neues“ auszuprobieren und der auch die Muße hat, Lademöglichkeiten auszukundschaften, der keine langen Strecken zurücklegen muss oder Zeit hat, auch mal eine längere Ladepause einzulegen, für so jemanden ist der Elektro-Smart ein geniales Auto.

In den 25 Tagen bin ich 580km gefahren. Wenn ich Bilanz über alle Ladevorgänge ziehe, habe ich auf dieser Strecke 126kWh geladen. Das macht einen durchschnittlichen Verbrauch von 21,64kWh/100km. Durchaus stattlich und weit weg von der NEFZ-Angabe. Man muss aber auch sagen, dass die Temperaturen im Testzeitraum äußerst winterlich waren. Im Sommer kann ich mir vorstellen, dass je nach Fahrprofil ein Verbrauch von 15kWh/100km durchaus realistisch ist.

Finanziell sieht es so aus, dass ich tatsächlich viel an kostenlosen Ladesäulen laden konnte. Leider zeigt mir die NewMotion App bis heute nicht die Ladevorgänge an der von mir am häufigsten genutzten Ladesäule an. Ich habe mir aber alle Strommengen notiert und gehe von dem in der App angezeigten Preis pro kWh aus. So habe ich für die 126kWh in Summe nur 22,50€ ausgegeben, was 17,86 Cent pro kWh und 3,86€ pro 100km Fahrstrecke entspricht. Hätte ich immer zu Hause oder auf der Arbeit mit einem mittleren Strompreis von 30 Cent pro kWh geladen, wären es 6,49€ auf 100km gewesen. Wenn man bedenkt, dass die Kosten im Jahresmittel noch deutlich geringer ausfallen dürften als unter den winterlichen Bedingungen bei meinem Eigenversuch, kann sich das wirklich sehen lassen.

Wie geht es weiter?

Werde ich mir nun so einen Smart ed kaufen? Nein. Und ein anderes Elektro-Auto? Auch nicht. Warum? Da gibt es ein paar Gründe:

Grund Nummer 1 ist, dass ich ja meinen Mercedes habe, der mit seinen 180.000km zwar in den letzten Monaten einiges an Reparaturkosten verschlungen hat, der aber gerade deshalb jetzt auch noch eine Weile halten soll. Einen Zweitwagen benötige ich beim besten Willen nicht, auch wenn der Smart natürlich das Ideale Zweitfahrzeug wäre.

Grund Nummer 2 ist, dass meine Freundin öfter Strecken von über 100km zurücklegen muss. Da wir uns das Auto teilen (was so reibungslos klappt, dass das auch keinen Bedarf eines Zweitwagens begründet), genügt die Reichweite des Smart ed einfach nicht. Weder die des „alten“ Modells, noch die des neuen. Und sind wir mal ehrlich, wenn man die 100km auch im Winter ohne Zwischenladung und ohne mit blanken Nerven und ausgeschalteter Heizung zu Hause anzukommen absolvieren will, muss die NEFZ-Reichweite schon über 200km betragen.

Grund Nummer 3 ist, dass ich zwar viele Lademöglichkeiten in der unmittelbaren Umgebung meiner Wohnung und meiner Arbeitsstätte habe, aber eben nicht zu Hause. Und wenn man nicht jeden Tag irgendwo laden möchte, kann man die benötigte Reichweite eigentlich gleich nochmal verdoppeln. Macht >400km nach NEFZ. Damit beschränkt sich die Auswahl der möglichen Fahrzeuge auf den Renault ZOE mit 40kWh Batterie, den Opel Ampera-E und die Modelle von Tesla.

Der Renault ist mir ehrlich gesagt einfach zu sehr Renault. Ich mag das Interieur nicht und habe auch ein wenig Bedenken hinsichtlich der Langzeitqualität.

Der Ampera-E ist praktisch nicht verfügbar und wenn, dann wohl kaum ein Schnäppchen.

Die Teslas sind stand heute einfach noch zu teuer. Das Model 3 kann das ändern, hier greifen aber wieder die Punkte schlechte Verfügbarkeit und gewöhnungsbedürftiges Interieur. Ich bin offen für neues, aber ein Interieur ohne Tacho? Steuerung vieler Funktionen ausschließlich über ein Zentraldisplay? Und das auch wieder bei zweifelhafter (Langzeit-)Qualität? Das ist mir doch ein bisschen zu radikal.

Trotzdem war der Test für mich eine sehr gute Erfahrung und ich freue mich darauf, dass sich irgendwann die Umgebungsbedingungen ändern und ich endlich ein Elektro-Auto mein Eigen nennen kann. Bis dahin muss der Mercedes noch durchhalten. So bleibt mir abschließend nichts anderes zu sagen als:

„Bye bye Smartie, es war schön mit dir!“

Bye Bye Smartie

Falls ihr die anderen Teile der Serie noch nicht kennt, oder noch mal lesen möchtet, hier die Links zu allen bisherigen Artikeln:

Ein Monat mit dem Elektro-Smart – Teil 1

Ein Monat mit dem Elektro-Smart – Teil 2

Ein Monat mit dem Elektro-Smart – Teil 3

Ein Monat mit dem Elektro-Smart – Teil 4

Ein Monat mit dem Elektro-Smart – Teil 5

Ein Monat mit dem Elektro-Smart – Teil 6

Ein Monat mit dem Elektro-Smart – Teil 7

Ein Monat mit dem Elektro-Smart – Teil 8

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