BeeZero: Abschied vom Carsharing mit Brennstoffzelle

Seit rund zwei Jahren vermietet BeeZero in München Brennstoffzellen-Fahrzeuge im Carsharing. Leider wurde der Dienst zum 30.06.2018 eingestellt. Daher nutzte ich eine der letzten Chancen, um noch eine Runde mit den Brennstoffzellen-Hyundais in und um die bayerische Landeshauptstadt zu drehen.

Was ist BeeZero?

BeeZero ist ein Carsharing-Unternehmen und Tochter des in München ansässigen Gas-Herstellers Linde. So verwundert es auch nicht, dass Linde als Hersteller und Lieferant für Wasserstoff bei seinem Carsharing-Konzept auf Brennstoffzellenfahrzeuge (Fuel Cell Electric Vehicles = FCEV) setzt.

Kurz zur Brennstoffzelle: In einer Brennstoffzelle reagiert Wasserstoff (H2) mit dem Sauerstoff (O) aus der Umgebungsluft zu Wasser (H2O). Bei diesem Prozess entsteht einerseits elektrische Energie, Wärme – und Wasser.

Der gasförmige Wasserstoff wird bei 350 bis 700 bar in Hochdrucktanks gespeichert. Der Gesamtwirkungsgrad einer Brennstoffzelle in einem PKW liegt ungefähr bei 50%. Zum Vergleich: Ein BEV kommt auf ca. 90%, ein Verbrenner schafft um die 30%.

Bei den eingesetzten Fahrzeugen handelt es sich um die FCEV-Version des koreanischen SUVs Hyundai ix35. Insgesamt standen 50 Fahrzeuge zur Verfügung, die in der Münchner Innenstadt angesiedelt wurden. Im Gegensatz zu DriveNow oder car2go durften die BeeZeros allerdings nicht irgendwo innerhalb des Geschäftsgebiets abgestellt werden, sondern waren bestimmten Zonen („Waben“) zugewiesen. Somit war das BeeZero-Modell eine Mischung aus Free-Floating und stationsgebundenem Carsharing.

Warum wurde BeeZero beendet?

Laut offizieller Mitteilung hat BeeZero drei Ziele verfolgt:

  1. Sichtbarkeit für Wasserstoffmobilität erhöhen.
  2. Dem Endkunden die Möglichkeit geben Wasserstoffmobilität selbst zu testen.
  3. Den laufenden Tankstellenbetrieb zu testen, um hieraus Erkenntnisse für den weiteren Ausbau der Wasserstoffinfrastruktur zu sammeln.

Diese Ziele wurden laut Linde erreicht, weshalb das Carsharing-Programm nun eingestellt wurde. Tatsächlich werden wohl vor allem wirtschaftliche Aspekte eine Rolle gespielt haben. Da selbst Wettbewerber wie DriveNow und car2go selbst mit den konventionell angetriebenen Fahrzeugflotten noch nicht in die schwarzen Zahlen vorgedrungen sind, wird die Bilanz der Wasserstofffahrzeuge in dem kleinen Maßstab nicht besser ausgefallen sein. Für ein Schaufensterprojekt ist das auch nicht unbedingt erforderlich, dennoch kam das Aus dann doch recht überraschend.

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Wie funktionierte BeeZero?

Um BeeZero nutzen zu können, musste man zunächst ein Konto erstellen, welches man per App und digitalem Post-Ident-Verfahren bequem von zu Hause aus verifizieren lassen konnte. Anschließend konnte die Hyundai-SUVs ganz einfach per App bis zu einer Stunde (!) im Voraus reserviert und angemietet werden. Nutzer anderer Sharing-Dienste kennen das Prozedere.

Wo car2go und DriveNow es vor allem auf den innerstädtischen Verkehr abgezielt haben, sollte BeeZero vor allem für Tagesausflüge genutzt werden. Daher gab es verschiedene Stundenpakete (6, 12, 24 und 48 Stunden). Für Carsharing-Verhältnisse waren diese Paket-Preise fair kalkuliert. Die 24-Stunden-Miete mit 200 Kilometern kostete zum Beispiel 99 Euro. Zum Vergleich: Die Tagespauschale einer Elektro-B-Klasse von car2go mit nur 90 Kilometern beträgt in Stuttgart 109 Euro.

Wer kein Paket gebucht hat, bezahlt nach Minute und Kilometer. Bei meiner ca. 77 Kilometer und 95 Minuten dauernden Tour wurden so 30,95 Euro fällig. Auch hier wäre die elektrische car2go-B-Klasse mit 32,30 Euro etwas teurer gewesen.

Das ist der Hyundai ix35 FCEV

Der ix35 gehört neben dem Toyota Mirai zu den ersten in (Klein-)Serie hergestellten und frei verfügbaren Brennstoffzellenfahrzeugen auf dem Weltmarkt.

Bei meinem Testfahrzeuge handelte es sich um „Eva“. Eva hätte mal wieder eine Dusche nötig gehabt, denn sie war ziemlich eingestaubt. Bei sommerlichen 27 Grad wirken auch die Winterreifen etwas deplatziert. Bei Carsharing-Diensten hat sich offenbar die Unsitte eingebürgert, die Fahrzeuge das ganze Jahr über auf Winterreifen durch die Gegend fahren zu lassen. Höherem Reifenverschleiß, schlechterer Nasstraktion und längeren Bremswegen zum Trotz.

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Die Verbrennervarianten des Hyundai ix35 waren in Deutschland durchaus erfolgreich.

Das Auto wird natürlich schlüssellos per Smartphone entsperrt. Dazu nutzt BeeZero interessanterweise Bluetooth. Vorteil an dieser Lösung: Eine Internetverbindung des Fahrzeugs ist nicht zwingend erforderlich, um das Auto auf- oder abschließen zu können. Gerade im bayerischen Hinterland soll ja der Mobilfunk-Netzausbau noch nicht so ganz abgeschlossen sein.

Das Fahrzeug selbst ist halbwegs gut ausgestattet, verfügt über Navi, Klimaanlage und was man sonst noch so zum Fahren braucht. Vier Personen mit Gepäck finden in dem großzügigen Innenraum mehr als ausreichend Platz, sodass auch längeren Strecken nichts im Wege steht.

Dazu trägt natürlich auch die ordentliche Reichweite des Brennstoffzellen-Hyundais bei. 400 Kilometer sollten in jedem Fall möglich sein, auch bei wenig sparsamer Fahrweise.  Dumm nur, dass es außerhalb von München fast keine Wasserstofftankstellen gibt. So ist der ix35 zwar eigentlich hervorragend für die Langstrecke geeignet, aber tatsächlich kommt man mit einem modernen BEV mit Schnelllademöglichkeit in der Praxis heute weiter bzw. auch in abgelegenere Gebiete. Strom gibt es schließlich überall – Wasserstoff definitiv nicht. Sollte es die Autoindustrie wirklich ernst meinen mit der Brennstoffzelle, dann muss das Wasserstoff-Tankstellennetz noch deutlich besser ausgebaut werden.

Aber zurück zum Hyundai. Dieser fährt sich erwartungsgemäß sehr einfach und ist komfortabel abgestimmt. Die Lenkung ist etwas indirekt, was aber gut zum gemütlichen Charakter des Fahrzeugs passt. Auch das Geräuschniveau bei Richtgeschwindigkeit auf der Autobahn ist sehr gering. Selbst bei höherem Tempo schmelzen die Kilometer auf der Reichweitenanzeige kaum dahin. Wer batterieelektrische Autos diesseits von Tesla gewöhnt ist, wird staunen.

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Unter der Motorhaube sieht man nicht viel von der komplexen Technik. Leistungselektronik, Steuergeräte und weitere Hochvolttechnik sind unter Plastikabdeckungen versteckt.

Die Höchstgeschwindigkeit des SUV ist mit 160 km/h absolut alltagstauglich. Die Beschleunigung des 100 kW starken ix35 geht mit 12,5 Sekunden in Ordnung. Man ist ausreichend schnell – den spaßigen Kick beim Beschleunigen an der Ampel, wie man ihn von batteriebetriebenen Elektroautos kennt, kann der Hyundai aber nicht bieten. Die Brennstoffzelle ist eben ein etwas träges System. Aus diesem Grund muss über einen Kompressor zunächst zusätzliche Luft in die Brennstoffzelle geschaufelt werden, damit genügend Sauerstoff für die (kalte) Verbrennung, also die Reaktion von Wasserstoff und Sauerstoof zu Wasser, vorhanden ist. Um das Ansprechverhalten zu verbessern, verfügt jedes FCEV über eine Batterie, welche die Leistungsspitzen abpuffert. Diese ist naturgemäß nicht so leistungsstark wie bei einem BEV, was sich eben in dem etwas schlechteren Beschleunigungsverhalten widerspiegelt. Zusätzlich ermöglicht die Batterie das Rekuperieren – also die Rückgewinnung von Bremsenergie in Strom.

Wasserstoff tanken? Gar nicht so einfach…

Gerne hätte ich an der Vorzeigetankstelle Fürholzen West den Hyundai mit Wasserstoff betankt. Doch leider ist dafür eine separate Schulung vorgeschrieben. Ziemlich kurios. Die Begründung von BeeZero:

Der Gesetzgeben schreibt vor, dass jede Person, die ein Kfz. mit einer Brennstoffzelle betankt, eine entsprechende Tankschulung absolvieren muss. Einige unsere Vielfahrer hatten eine solche Schulung absolviert. Um das Tanken für alle Kunden zu unterstützen, war eine virtuelle Tankschulung in der App geplant. Sobald ein Nutzer diese absolviert hätte, wäre auch eine Betankung möglich gewesen.

Der HZwei-Blog hat über diese Thematik in diesem Artikel sehr ausführlich berichtet. Auch Privatkunden müssen eine solche Schulung durchführen. Nur so erhält man die CEP-Tankkarte, mit der man an den Wasserstofftankstellen in Deutschland tanken darf.

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Die insgesamt sehr positiven Eindrücke des Fahrzeugs wurden allerdings durch ein Ereignis etwas getrübt: Unmittelbar nach einer Ortsausfahrt mit gemächlichem Tempo ging das Fahrzeug plötzlich in den Notlauf. Zum Glück befand sich ein Feldweg in unmittelbarer Nähe, auf dem ich das Fahrzeug abstellen konnte. Das Problem konnte dann auch mit einem Neustart behoben werden. Anschließend machte das Auto keine Probleme mehr. Trotzdem komisch. Auf Nachfrage bei BeeZero, ob dieses Phänomen schon häufiger aufgetreten ist, erhielt ich folgende Antwort:

Dieser Fehler ist nur bei zwei Fahrzeugen vorgekommen. Diese haben wir aus dem Verkehr gezogen und zur Durchsicht in die Werkstatt gegeben. Die detaillierte Fehleranalyse läuft noch.

Insgesamt erwies sich die Fahrzeugflotte aber laut BeeZero als sehr zuverlässig. Probleme machten – wenn überhaupt – eher die IT-Systeme des Carsharings als die Autos. Die Erwartungen der Nutzer an die Alltagstauglichkeit wurden demnach auch voll erfüllt.

Brennstoffzellen-SUV für unter 36.000 Euro

Die Brennstoffzellen-Hyundais von BeeZero werden nun übrigens verkauft – auch an Privatkunden. Um die 30.000 Euro netto, also knapp 36.000 Euro brutto werden für den Wasserstoff-SUV aufgerufen. Ein sehr fairer Preis – kostete das Fahrzeug neu schließlich über 65.000 Euro. Die Fahrzeuge habe im Durchschnitt um die 10.000 Kilometer auf der Uhr und sind etwas über 2 Jahre alt. Verbleiben also noch 3 Jahre oder 90.000 Kilometer Restgarantie. Wer ein bezahlbares, elektrisches SUV mit viel Platz und hoher Praxis-Reichweite sucht, könnte hier fündig werden.

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Für BeeZero wurden die Hyundais in mattem Dunkelblau foliert. Tatsächlich sind sie aber weiß lackiert.

Eine Wasserstofftankstelle sollte sich aber in der Nähe des Heimatortes befinden. Hier kann ich mich nur wiederholen: Auch der zukünftige Restwert hängt nicht zuletzt vom weiteren Ausbau der Tankstelleninfrastruktur ab. Sollte in drei bis fünf Jahren kein adäquates Netz verfügbar sein, wird es wohl schwierig werden, für den Hyundai einen Interessenten zu finden.

Hyundai Nexo: Der Nachfolger des ix35 FCEV

Hyundai hat dieses Jahr das Nachfolgemodell Nexo vorgestellt, welches nicht nur optisch, sondern vor allem technisch einen deutlichen Sprung nach vorne darstellt. Der Preis des Fahrzeugs ist mit 69.000 Euro aber weiterhin kein Pappenstiel. Dafür konnten Reichweite und Leistung noch einmal erhöht werden. Das Design des Nexo ist nun ebenfalls deutlich gefälliger. Alles in allem keine schlechten Voraussetzungen für einen Markterfolg. Aber auch hier hängt die Verbreitung des Fahrzeugs nicht zuletzt vom zukünftigen Tankstellennetz ab.

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Wer auch in Zukunft nicht auf Brennstoffzellenfahrzeuge in München verzichten möchte, der kann übrigens beim Ridesharing-Anbieter CleverShuttle einsteigen. Eine Flotte von Toyota Mirai werden hierfür eingesetzt.

Fazit

Das Konzept von BeeZero umweltfreundliches Carsharing für längere Strecken anzubieten, war eigentlich eine optimale Ergänzung zu den bereits vorhandenen Systemen. Wahrscheinlich war BeeZero seiner Zeit einfach etwas voraus. Das bereits seit Jahren versprochene, flächendeckende H2-Tankstellennetz ist bis heute nicht ansatzweise in Fertigstellung.

Die Kosten für Wasserstoff und Wasserstoff-Fahrzeuge liegen Stand heute weiterhin deutlich über den Preisen von BEVs, die mit vergleichsweise günstigem Strom und geringen Unterhaltsksoten punkten können. Zusätzlich fehlte dann wohl auch der lange Atem und der notwendige Maßstab, um aus BeeZero ein wirtschaftlich tragfähiges Konzept zu machen.

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Tschüss, BeeZero! Das war’s leider mit dem Brennstroffzellen-Carsharing.

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Weiterführende Links:

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