Ein Monat mit dem Elektro-Smart – Teil 1

Die positiven Erfahrungen mit meinem Elektrosmart haben einen guten Freund von mir dazu bewogen, das Fahrzeug ebenfalls intensiv im Alltag zu testen. Über seine Erfahrungen dazu wird downtoearthhifi ab sofort in einer Gastserie auf diesem Blog berichten:

Ich habe für einen Monat einen Smart ED 3 gemietet, um die Alltagstauglichkeit für mich persönlich auszuloten. Da nicht jeder diese Möglichkeit hat und sich doch einige die gleichen Fragen stellen dürften wie ich, möchte ich euch an meinen Erfahrungen Teil haben lassen.

Schon eine Weile schiele ich mit einem Auge in Richtung elektrifizierter Mobilität. Bisher habe ich es aber nicht geschafft, das Auto mit Verbrennungsmotor aus meinem Leben zu verbannen. Erst vor gut einem Jahr stand der Kauf eines neuen Gebrauchtwagens an, doch die elektrifizierten Optionen hatten alle einen Haken.

Ein Mild-Hybrid wie der Honda CR-Z hat zu wenig echten Nutzen um immer die doppelte Antriebstechnik herumzufahren.

Die Hybride von Toyota mögen technisch super ausgereift sein, aber sie sind auch todlangweilig.

Plug-In-Hybride wie der Opel Ampera versprachen zwar den höchsten Nutzen, da die Reichweite für 90% meiner alltäglichen Fahrten genügt hätte und dennoch Strecken von über 200km kein Problem dargestellt hätten, aber der Preis war mir zu hoch. Vor allem dafür, dass ich das Herumfahren zweier Antriebssysteme für eine Brückenlösung halte, die sich hoffentlich erübrigt, sobald die Energiedichte der Traktionsbatterien endlich alltagstaugliche Reichweiten ermöglicht.

Ach ja und die letzte Kategorie, die „reinen“ Elektroautos, versprachen nun mal einfach keine hundertprozentige Alltagstauglichkeit. Zumindest nicht in den Preisregionen diesseits eines Tesla Model S.

Dennoch ging mir das Thema nicht aus dem Kopf. All die Befürchtungen bezüglich zu geringer Reichweite, der Pflicht des täglichen Aufladens (als Bewohner einer Wohnung ohne eigenen Stellplatz!), der Unzuverlässigkeit öffentlicher Ladesäulen, vielleicht alles nur aufgebauscht? Für mich doch nicht so relevant wie befürchtet? Wenn man es doch mal ausprobieren könnte…

Zum Glück ist mein Arbeitgeber im Bereich der Elektromobilität aktiv, was mir ermöglicht, einen Monat lang für eine erträgliche Mietgebühr das Abenteuer Elektro-Smart zu wagen, ohne mich langfristig an einen Leasing-Vertrag binden zu müssen. So kann ich nun 25 Tage lang im Alltag in meiner „natürlichen“ Umgebung herausfinden, wie gut meine Bedürfnisse mit einer lediglich 17,6kWh fassenden Batterie zu vereinbaren sind.

Tag 1:

Heute habe ich den Smartie abgeholt. Erster Nachteil an einem Leihfahrzeug: Der Geruch des Vorbesiters. Raucher oder Hundebesitzer? Egal, irgendwie muffig, schnell alle Fenster aufmachen! Als Car2Go-Nutzer findet man sich immerhin sofort zurecht, kennt den hakeligen Lehnen-Neigungs-Hebel, allerdings nicht das grausame Entertainment-System. Das hat im Gegensatz zum Car2Go-Smart keine Hardkeys, dafür einen Touchscreen, der in meinem Fall nur ungefähr jede dritte Eingabe erfasst, die aber zu 50% falsch.

Egal, hier geht’s schließlich ums Fahren, nicht ums Touchen. Nach den ersten vorsichtigen Metern schien es mir, als habe dieses Exemplar etwas weniger Power als die mir bekannten Car2Go-Smarts. Also kurz mal durchgedrückt, ah, da ist er ja doch, der E-Antrieb-Bums. Wirklich immer wieder eine Freude, wie das sofort anliegende Drehmoment den kleinen Smart nach vorne drückt. Daran gewöhnt man sich gerne und ich bin durchaus schon gut motorisierte Fahrzeuge gefahren (hatte ich erwähnt, dass das Ergebnis meines Gebrauchtwagenkaufs vor gut einem Jahr einen 3,2 Liter V6 unter der Haube hat?).

Die erste Fahrt ging dann zum Mercedes-Ersatzteile-Händler um eine neue Batterie zu kaufen. Nein, nicht für den Smart, sondern eine 12V Blei-Batterie für meinen Verbrenner. Die alte hat inzwischen 14 Jahre auf dem Buckel und ich rechne jederzeit mit einem Ausfall. Immerhin hat sie schon lange gehalten, wie lange die Lithium-Ionen-Batterie des Smart wohl überleben wird? Sie wird wohl nicht den plötzlichen Tod eines Plattenkurzschlusses sterben, sondern langsam an Kapazität verlieren, bis man sie aus Mitleid hoffentlich in ein zweites Leben entlässt. Vielleicht winkt der Einsatz in einem second-use Batteriespeicher. Vielleicht braucht man sie auch mal als Puffer für das Stromnetz, das unter der Last vieler gleichzeitig laden wollender E-Autos ächzt. Man wird sehen.

Der Ersatzteil-Händler hatte jedenfalls bereits geschlossen, zu blöd. Und ich kann es nicht mal darauf schieben, dass das Navi im Smart praktisch unbedienbar ist. Ich bin einfach zu spät losgefahren. Also auf zum nächsten Halt: Aldi! Ich habe so ein Gefühl, dass ich dort in den nächsten Tagen öfter einkaufen werde, auch wenn ich sonst eher der Kaufland-Typ bin. Aldi weiß seine Kunden nämlich mit kostenlosen Lademöglichkeiten zu locken. In Böblingen sogar an mehreren Filialen. Ideal für einen kurzen Abstecher nach der Arbeit.

Das Laden funktioniert dabei unkompliziert. Die ein bis zwei Parkplätze an der Ladesäule sind am Boden blau markiert und bisher immer wenn ich darauf geachtet habe frei gewesen. So auch heute. CCS- und Chademo-Kabel hängen an der Säule, das Typ 2 Kabel darf man selbst mitbringen. Auf Schuko habe ich gar nicht geachtet, dafür müsste aber auch eine Dose vorhanden sein. Schnell das eine Ende in die Säule, das andere ins Auto (Reihenfolge egal). An der Säule drückt man dann den Knopf des entsprechenden Anschlusses, bestätigt nochmal und los geht‘s. Schade, dass ich noch keine zehn Kilometer gefahren bin und der Akku noch fast voll ist. Der Plan, den Wert meines Einkaufs in Strom wieder reinzuholen ging nicht ganz auf: 1,84 kWh versus 12€ Einkauf…naja. Trotzdem ein schönes Gefühl, die Mobilität sozusagen geschenkt zu bekommen.

 

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Mit vollem Akku und (fast) vollem Kofferraum ging es dann heim, kurz über die Autobahn, nach 8km sind die ersten 10% Akku-Ladung weg, der Bordcomputer zeigt sogar über 20kWh/100km Verbrauch an, das kann ja noch interessant werden mit der Reichweite.

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